+49(0)1796718060 info@angelina-bockelbrink.de

Als MedizinstudentIn wird man meist sehr früh mit dem Thema „Promotion“ konfrontiert. Es wird einem vielfach von Dozenten, Kommilitonen und auch verschiedenen Experten empfohlen, die Doktorarbeit schon im Studium durchzuführen, am besten gleich nach dem Physikum anzufangen, um die Arbeit sicher vor dem Praktischen Jahr abzuschließen.

Für viele Studierende mag das tatsächlich eine gute Option sein, es ist aber keinesfalls die einzig sinnvolle Möglichkeit. Es gibt eine Menge Gründe und persönliche Umstände, die für ein anderes Timing sprechen, so dass es durchaus Sinn ergibt, sich etwas intensiver mit der Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für die Promotion zu befassen.

Medizinische Doktorarbeit schon während des Studiums schreiben

Wer nicht bereits im Studium einem fordernden Job nachgeht oder Familie und Kinder zu versorgen hart, der hat üblicherweise zu dieser Zeit mehr freie Kapazitäten für eine Promotion als später.

Dennoch kann es natürlich auch im Studium sehr stressige Phasen geben. Gerade die Vorbereitung auf eine anstehenden Prüfung kann sehr fordernd und anstrengend sein, sodass zu solchen Zeiten wohl eher keine Kapazitäten vorhanden sind, sich zusätzlich auf eine Dissertation einzulassen. Wenn die Arbeit an der Promotion zu Lasten der Prüfungsleistungen geht, ist wohl niemandem geholfen.

Üblicherweise sind die Semesterzeiten im Medizinstudium recht dicht mit Vorlesungen, Seminaren, Praktika und Selbststudiumszeiten gepackt, dass es nicht unbedingt sinnvoll erscheint, auch noch die Experimente oder Erhebungen für eine Doktorarbeit hineinzupressen, umso mehr als auch hierfür eine gewisse Einarbeitungszeit erforderlich ist.

Auch die vorlesungsfreie Zeit ist vielfach mit Pflegepraktika und Famulaturen verplant, auch wenn hier sicherlich eher zusammenhängende Zeitabschnitte für den praktischen Teil der Doktorarbeit gefunden oder geschaffen werden können.

Während im Job eine Reduzierung der Arbeitszeit für die Doktorarbeit eher nicht möglich ist, kann man im Studium hingegen recht gut ein Freisemester einbauen. Dennoch sollte auch diese Entscheidung bewusst und erst nach reiflicher Überlegung getroffen werden. Es kann immer auch noch zu unerwarteten Verzögerungen im Studium kommen und der Abschluss sollte dabei niemals aus dem Fokus geraten. Abhängig von der finanziellen Ausstattung und der Abhängigkeit von Bafög oder Stipendien, bietet sich für einige Studierende die Möglichkeit eines Freisemesters sowieso nicht.

Umso früher man sich überlegt mit der Doktorarbeit zu beginnen, umso schwieriger gestaltet sich unter Umständen die Wahl des Themas. Wer schon von Anfang an weiß, in welche medizinische Richtung er/sie gehen möchte, kann sich problemlos auch eine Doktorarbeit in diesem Bereich suchen. Natürlich ist es für die spätere Stellensuche und Facharztausbildung nicht unbedingt relevant, in welchem Fachbereich oder zu welchem Thema man seine Promotion schreibt, andersherum kann man aber durch die Doktorarbeit schon einen guten Eindruck von einem Bereich bekommen und auch hilfreiche Kontakte knüpfen.

Zusammenfassend gibt es viele gute Gründe, die Doktorarbeit bereits frühzeitig im Studium zu beginnen, dennoch bietet es sich nicht für alle an. Und da es immer wieder zu Verzögerungen kommen kann, z.B. weil die Versuche einfach länger dauern als geplant oder weil erst die zweite Promotion überhaupt erfolgreich zum Abschluss gebracht werden kann, oder weil ein Auslandsaufenthalt zu einer längeren Pause zwingt, ist ein früher Beginn mit der Arbeit noch lange keine Garant dafür, dass man sie wirklich vor Ende des Studiums abschließen kann.

Die medizinische Doktorarbeit nach Studienende schreiben

Natürlich kann es auch bei einem späteren Beginn der Promotion noch zu Verzögerungen kommen und vor Überraschungen ist man selbst bei gründlichster Planung nicht geschützt, dennoch ist es neben dem Job eventuelle einfacher konsequent und zielgerichtet an der Promotion zu arbeiten. Im Studium hat man viele Freiräume und muss seine Tage sehr stark selbst strukturieren, so dass es viel Disziplin braucht, wirklich regelmäßig etwas für die Doktorarbeit zu tun. Wenn man im Beruf steht sind die Tage meist deutlich starrer strukturiert, was erfahrungsgemäß einigen Menschen zugute kommt, wenn sie regelmäßige Aufgaben einbauen wollen.

Die wenige frei verfügbare Zeit macht es recht offensichtlich, dass man sich unbedingt fokussieren muss und sein Zeil konsequent verfolgen sollte, wenn man in absehbare Zeit zum Ende kommen möchte.

Natürlich gibt es ebenso wie im Studium auch im Job günstiger und ungünstigere Zeiten mit einer Doktorarbeit zu beginnen. So könnte es doch sehr herausfordernd und belastend werden, wenn man zeitgleich einen neuen Job und eine Doktorarbeit beginnen möchte, vor allem wenn Inhalte und beteiligte Personen nicht die gleichen sind.

Da es sich bei einer Doktorarbeit allerdings um ein längerfristiges Projekt handelt, können selbst bei scheinbar perfekter Auswahl des Startzeitpunktes im Verlauf dennoch stressige Phasen im Job oder auch in der Familie hinzukommen. Vermeiden lässt sich das nicht unbedingt, sodass es den perfekten Zeitpunkt für die Doktorarbeit wohl nicht geben kann.

Wer es mit dem Erwerb des Doktortitels nicht so eilig hat, kann auch einfach ein paar Jahre abwarten, und denn gezielt Synergieeffekte nutzen. Beispielsweise kann man Möglichkeiten schaffen oder finden, eine Doktorarbeit zu machen, deren praktischer Teil im Rahmen der eigenen klinischen Tätigkeiten im Krankenhaus oder auch in der Praxis durchgeführt werden kann.

Wenn man bis dahin bereits genug Expertise mitbringt, kann man eventuell sogar ein eigenes Thema entwickeln.

Relativ einfach und beinahe nebenbei funktioniert das bei einer Tätigkeit an der Universität bzw. in einem Universitätsklinikum. Viele Stellen, auch ärztliche Stellen, werden hier sogar mit der Option zu promovieren und eventuell sogar zu habilitieren, ausgeschrieben und beworben.

Der Vorteil einer solchen Stelle ist definitiv in der vorhandenen Infrastruktur und den tatsächlich vielfältigen Möglichkeit wissenschaftlich zu arbeiten. Man sollte sich allerdings bewusst machen, dass auch an der Uniklinik die Patientenversorgung im Vordergrund steht und die wissenschaftliche Tätigkeit überwiegend zusätzlich zur regulären Arbeitszeit stattfindet. Wer nur seinen Titel haben möchte, für den ist das vermutlich zu viel Engagement und Aufwand. Wer aber eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, kommt kaum um eine Tätigkeit an der Uni herum.

 

Motivation für die Arbeit

Wie sich aus meinen Ausführungen ableiten lässt, gibt es nicht nur einen Weg zum Doktortitel. Idealerweise sollte man sich gut bewusst machen, welche Motivation einen antreibt. Also, was möchte man mit der Doktorarbeit erreichen? Wo soll der eigene Weg hinführen? Wie ist die persönliche Situation?

Abhängig von den Antworten auf diese Fragen, ist der beste Zeitpunkt für die Doktorarbeit recht unterschiedlich. Möglicherweise stellt sich auch raus, dass die Doktorarbeit gar nicht nötig ist. Auch diese Antwort ist völlig in Ordnung. Und besser, man findet sie bevor man viel Mühe und Aufwand in eine Arbeit hineingesteckt hat.

 

Teilen mit: