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Das Burnout-Syndrom wurde erstmal 1974 vom deutsch-amerikanischen Psychoanalytiker Herbert Freudenberger beschreiben. Dieser prägte den Begriff für einen Symptomenkomplex aus emotionaler Erschöpfung, Entfremdungserleben und körperlichen Beschwerden. Bei der Ausarbeitung der Entstehungsursachen des Burnout-Syndroms bezog sich Freudenberger auf Beobachtungen an sich selbst und an anderen Mitgliedern helfender Berufe. Er führt die Entstehung eines Burnout auf Arbeitsüberlastung bzw. Überengagement der Betroffenen verbunden mit einer unangemessenen Entlohnungserwartung zurück.

Burnout – das Konstukt

Schon bald folgten weitere wissenschaftliche Arbeiten, beispielsweise von der Sozialpsychologin Christina Maslach. Der von ihr entwickelte Fragebogen zur Selbstbeurteilung (Maslach Burnout Inventory) ist auch heute das am weitesten verbreitet Instrument zur Erfassung der Burnout Symptomatik. Auch die weiterhin gültige Einteilung des Burnout-Syndroms in die drei Dimensionen emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und Erleben von Misserfolg bzw. Ineffektivät ist auf Maslach zurück zu führen.

Seit den 90er Jahren bezieht sich der Begriff des Burnouts nicht mehr ausschließlich auf helfende Berufe, sondern wird auch immer mehr im Zusammenhang mit anderen Berufs- und Personengruppen benutzt. Hier sind vor allem Manager, Lehrer oder Spitzensportler zu nennen, also Personen, die sich in besonderem Maße dem Druck aussetzen Leistung zu erbringen.

Seit einigen Jahren ist das Thema Burnout in aller Munde. Die Diskussion bezieht sich dabei vor allen auch auf den Einfluss moderner Arbeitsbedingungen und gesellschaftlicher Entwicklungen auf unsere psychische Gesundheit. Immer mehr Menschen fühlen sich ausgebrannt und erschöpft. In vielen Bevölkerungsgruppen ist Burnout zu einer Art „Modediagnose“ geworden, die für die Betroffenen den großen Vorteil hat, weitaus weniger stigmatisierend zu sein als beispielsweise eine Depression oder Neurasthenie. Wer ausbrennt hat immerhin für etwas gebrannt und beweist in der Augen seiner Mitmenschen damit, dass er bereits viel geleistet hat.

Zusätzlich beflügelt wird die Diskussion von der stetig zunehmenden Zahl an Arbeitsunfähigkeiten und Frühberentungen durch psychische Erkrankungen. Nach den Muskel- und Skeletterkrankungen sind die meisten Arbeitsunfähigkeitstage auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Bei den vorzeitigen Berentungen stehen die psychischen Ursachen sogar an erster Stelle, und das schon seit Jahren.

Burnout – keine diagnostizierbare Krankheit

Medizinisch-wissenschaftlich gibt es keinen Zweifel daran, dass ungünstige Arbeitsbedingungen einen negativen Einfluss auf unsere psychische und körperliche Gesundheit haben. Dennoch spielt das Burnout-Syndrom in der medizinischen Fachwelt eine eher geringe Rolle, ganz anders als in der öffentlichen Diskussion und in den Medien.

Weder im Internationalen Klassifikationssystem der Krankheiten (ICD-10), nach dem in Deutschland alle ärztlichen Diagnosen verschlüsselt werden müssen, noch nach dem ebenfalls gebräuchlichen Klassifikationssystem psychischer Erkrankungen (DSM-IV) wird das Burnout-Syndrom als eigenständige Erkrankung aufgeführt.

Natürlich treten bei einem schweren Burnout verschiedene Symptome auf, die im medizinischen Sinne Krankheitswert haben und entsprechend diagnostiziert werden können. Häufigste Diagnose ist die einer Depression. Dennoch ist bei weitem nicht jeder Betroffenen depressiv, ein Burnout ist also nicht das gleiche wie eine Depression.

Beim Burnout wird der Entstehung durch berufsbedingten Stress besondere Bedeutung beigemessen, was im Widerspruch zu allen psychiatrischen Diagnosesystemen steht, die auf deskriptiven, also beschreibenden Kriterien beruhen, die in der Summe ein bestimmtes Krankheitsbild ergeben. Zudem sind die Kriterien für das Burnout-Syndrom zu wenig trennungsscharf, so dass eine Abgrenzung von gesund zu krank schwierig und auch die Differenzierung zu anderen Erkrankungen nicht möglich ist.

Das Burnout-Syndrom gilt folglich nicht als eigenständige Erkrankung, sondern als Sozial- und Arbeitspsychologisches Konstrukt. Dennoch ist es kaum mehr umstritten, dass ein Burnout mit einem deutlich erhöhten Risiko für psychische (seelische) und auch somatische (körperliche) Erkrankungen einhergeht.

Burnout – Risiko und Chance

Nicht nur Ärzte wissen sehr gut um die persönliche, gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung des Burnout-Syndroms. Sowohl innerhalb als auch außerhalb unseres Gesundheitssystems sind die Angebote für Betroffene vielfältig. Auch wenn das Burnout immer noch teilweise als „Modediagnose“ abgewertet wird, ist es doch um ein vielfaches angesehener erschöpft oder ausgebrannt zu sein, statt depressiv oder abhängig. Das macht es Betroffenen unter Umständen viel einfacher Zugang zu ihren Bedürfnissen und Problemen zu bekommen und auch Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Gerade dadurch, dass das Burnout-Syndrom selbst nicht als eigenständige Krankheit sondern vielmehr als Risikofaktor für verschiedene Krankheiten gilt, ist es verschiedenen präventiven Ansätzen zugänglich.

Prävention kann sehr erfolgreich an äußeren, strukturellen Faktoren ansetzen, beispielsweise an Arbeitsabläufen, Fehlerkultur, positiver Arbeitsatmosphäre oder Wertschätzung, wobei es bislang noch viel zu wenig Initiativen an deutschen Firmen gibt. Gesellschaftlich und ökonomisch weniger effektiv, für den Einzelnen allerdings oft hilfreicher, kann Prävention auch an individuellen Faktoren wie Stressmanagement, Sinnsuche oder Neuorientierung ansetzen.

Verschiedene Berufgruppen können den Betroffenen hierbei hilfreich zur Seite stehen, beispielsweise Psychotherapeuten, Personal Coaches (in bestimmten Fällen auch Business Coaches) Stressmanagement-Trainer oder Entspannnungspädagogen.

Die Arbeit mit dem Betroffenen sollte sich in keinem Fall auf reine Schadensminimierung beschränken. Insbesondere ein erfahrener Coach mit fundierter Ausbildung, kann den Betroffenen dabei unterstützen sein Ausbrennen als Chance zu begreifen und zu einem bewusst und achtsam gelebten Wendepunkt zu machen.
Eine sinnvoll gestaltete Auszeit, eine gut geplante Neuorientierung im Beruf oder eine bedürfnisorienterte Veränderung im Privatleben können dem Leben wieder neuen Sinn und viel Schwung geben.

Fazit

Das Burnout-Syndrom gilt als Arbeitspsychologisches Konstrukt, nicht als eigenständige Erkrankung, wenngleich medizinisch-wissenschaftlich anerkannt ist, dass es ein deutlich erhöhtes Risiko für verschiedene psychische und somatische Krankheiten darstellt. Gleichzeitig kann das Ausbrennen auch als Chance gewertet werden, die das Potenzial für ein neues bedürfnisorientiertes, achtsames Leben birgt, denn genauso wie vorher kann es schließlich nicht weitergehen.

Hast du eigene Erfahrungen mit Burnout, Erschöpfung oder Depression? Wie waren deine Erlebnisse mit den angebotenen Hilfen? Ich freue mich wenn du eine Kommentar hinterlässt, ich antworte garantiert.

In den nächsten Wochen werde ich noch mehr zu verschiedenen Krankheitsbildern und zur Psychopathologie im Allgemeinen schreiben. Wenn du dich persönlich oder beruflich angesprochen fühlst, melde dich doch am besten gleich für meinen Newsletter an, damit du keinen Beitrag verpasst.