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Erst letzte Woche hatte ich einen Gastbeitrag für die wunderbare Silvia Streifel verfasst, darüber, wie achtsames Verhalten im Familienalltag dazu beitragen kann, stressige Situationen schnell wieder zu entspannen. Ich beschreibe dort, wie du durch bewusstes wahrnehmen und anerkennen der Situation, wie sie aktuell ist, viel deiner Projektionen und Erwartungen rausnehmen kannst und dich so wirklich nur mit dem befasst, was in diesem Moment relevant ist. Für mich ist es wirklich das wichtigste Wundermittel gegen Stress und Überlastung im Alltag mit meinen Kindern.

Stress zu vermeiden ist toll, wenn es klappt

Natürlich führt Achtsamkeit auch zu mehr Zufriedenheit und innerer Ruhe, dennoch wollte ich für Petra Straßmeirs Blogparade doch einen extra Beitrag schrieben und hierfür auch wirklich ihre Frage beantworten, die sich auf meine besten Methode für mehr Zufriedenheit und innerer Ruhe bezieht, wenn gerade alles zuviel wird und mir über den Kopf wächst, wenn es also mit der Achtsamkeit gerade mal nicht so geklappt hat und alles schwierig und stressig ist.

Natürlich versuche ich solche Situationen zu vermeiden, wie vermutlich jede Mutter. Kennen tue ich sie dennoch, die Tage an den alles schief zu laufen scheint, jedes Kind auf seine eigenen, unnachahmliche Weise meine Geduld auf die Probe stellt und ich eben nicht ganz bewusst, präsent und achtsam darauf eingehen und jedem Kind mit Verständnis begegnen kann. Diese Tage, die oft auf eine anstrengende Nacht folgen, die schon mit Beschimpfungen beim Frühstück beginnen, mit Dramen aufgrund verschiedenster Kleinigkeiten weitergehen und dann am Abend auf ihren Höhepunkt zusteuern, wenn die Nerven blank liegen und die Laune ihren Tiefpunkt erreicht.

Der Wink mit dem Zaunpfahl

Ich kenne diese Tage und dennoch wusste ich zuerst nicht genau, worüber ich schreiben sollte, bis, ja, bis zu diesem Sonntag, als wir uns auf dem Weg zurück aus unserem einwöchigen Urlaub auf dem Bauernhof gemacht haben. Der Urlaub war toll, die Kinder hatten eine Woche Zeit sich auszutoben, ihre mehr oder weniger große Angst vor den Tieren abzubauen, zu rennen, zu reiten, Traktor zu fahren, Schafe und Kaninchen zu füttern, im Wald umherzustreifen und insgesamt eine ganz großartige Zeit zu verbringen. Entsprechend wenig Lust hatten sie also wieder nach Hause zu fahren und die Aussicht auf Kita und Schule am nächsten Tag hat diese Lust keinesfalls vergrößert.

Unsere Fahrt aus dem Urlaub

Schon am Morgen waren die Kinder wenig bereit uns zu unterstützen fertig zu werden und das Auto zu packen. Sie haben alle deutlich zu verstehen gegeben, dass sie noch bleiben wollen. Der Große hat eine Grundsatzdiskussion daraus gemacht, dass es nämlich ungerecht ist, dass andere Menschen immer auf einem Bauernhof leben dürfen, wir aber nicht. Als wir endlich unterwegs waren hat die Kleine etwa 45 Minuten gejammert, dass sie zurück will auf den Bauernhof. Wir hatten also fast 700 km vor uns, die Laune war schon bei der Abfahrt verbesserungsfähig und zusätzlich war es unerwartet heiß, knapp 30 Grad.

Nach knapp einer Stunde Fahrzeit mussten wir bereits die erste Pause machen, weil die Kinder soviel getrunken hatten, dass sie unbedingt ein Toilette brauchten, oder einen Baum, der tat es auch. Bald darauf mussten wir wieder anhalten, weil ich die Kleine trösten musste, die sich gar nicht mehr beruhigen konnte, weil sie doch auf den Bauernhof zurück wollte. Die beiden größeren waren von dem Geschrei ihrer kleine Schwester so genervt, dass sie sich anfingen zu streiten, schlafen konnte keiner, weil es zu heiß war und nicht mal die erste große Pause nach etwa 200 km brachte große Entspannung, weil die Sonne zu sehr runterbrannte, als dass die Kinder sich hätten draußen bewegen wollen.

So konnte es nicht weitergehen

Um es kurz zu machen, wir mussten noch einige Male anhalten, aus den unterschiedlichsten Gründen. Als die Kleine sich beruhigt hatte begann sie ihren mittleren Bruder zu provozieren, die Jungs stritten sich was durchgehend, Hörspiel oder Musik konnten wir nicht hören und mein Mann und ich waren fast nur noch am beschwichtigen, schimpfen, drohen, gut zureden, argumentieren, beruhigen, usw. Es war alles andere als ein Vergnügen und irgendwann bekam ich das Gefühl, dass wir nie zuhause ankommen würden. Als meine Tochter sich dann zum dritten Mal aus ihre Gurt befreite und mein Sohn zum wiederholten Male von hinten mit richtig Kraft gegen meinen Fahrersitz trat, wusste ich, dass ich so nicht weiterfahren würde.

Ich fuhr also am nächsten Parkplatz raus, blieb stehen, machte den Motor aus, lehnte mich in meinem Sitz zurück und schloss die Augen. Natürlich wusste niemand so richtig, was das jetzt werden sollte, weshalb ich es Ihnen erklärte, als ich ein paar Mal durchgeatmet hatte. Mir war die ganze Situation wirklich zu viel und ich musste mich erstmal einen Moment komplett da raus ziehen. Dann war mir wichtig, dass zumindest die beiden Großen verstanden, dass ich so nicht weitermachen würde und dass ich auf ihre Unterstützung angewiesen war.

Was uns den Tag gerettet hat

Wir standen eine ganze Weile auf diesem Parkplatz, aber irgendwann war allen klar, dass wir zusammenarbeiten mussten. Jeder konnte also seinen Teil dazu beitragen, dass wir den Rest der Strecke gut hinter uns bringen würden. Schließlich hatten wir alle das gleiche Ziel: wir wollten endlich zuhause ankommen und raus aus dem Auto. Der Rest der Fahrt verlief tatsächlich ziemlich entspannt und ereignislos. Wir kamen ohne weitere Zwischenfälle zuhause an, die Kinder halfen das Auto auszuräumen und anschließend setzten wir uns gemütlich zum gemeinsamen Pizzaessen, um den Tag angenehm ausklingen zu lassen.

Meine Idee beim Halten auf dem Parkplatz war eigentlich nur, einfach mal aus dieser Situation zu kommen und dann weiter zu sehen, was wir machen könnten. Tatsächlich war der Effekt allerdings viel umfassender. Ich selbst konnte ein wenig Abstand gewinnen und mir und meinem Umfeld klar machen, dass es mir wirklich und ehrlich zu viel war und ich so nicht weiter machen konnte. Die Kinder begriffen, dass sie gefordert waren, sich einbringen konnten, sich ihre Bedürfnisse bewusst machen sollten und schlussendlich jeder etwas beitragen konnten. Allen wurde klar, dass wir doch eigentlich das gleiche Ziel verfolgten und deshalb am besten gemeinsam darauf hinarbeiten sollten.

Fazit

Mein einer wichtigster Tipp, wenn gerade wirklich nichts mehr geht und alles zu viel wird, lautet, sich einfach einen Moment aus der Situation zu entfernen, aus der Situation hinauszutreten, sich rauszuziehen, auch und vor allem dann, wenn man das Gefühl hat gerade gar nicht raus zu kommen. Ob du dein schreiendes Kind eine Moment allein lässt, um kurz durchzuatmen oder eine anstrengende Autofahrt bewusst unterbrichst, wichtig ist nur, dass du die Gelegenheit schaffst von außen auf die Situation zu blicken und einen Augenblick abzuwarten. Der Rest passiert dann fast von allein.

Wenn du weitere Unterstützung dabei brauchen kannst, freue ich mich auf dich. Mach am besten gleich einen Termin für ein kostenloses, 30-minütiges Power-Entschleunigungs-Coaching mit mir aus.