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Meine Tochter (zwei Jahre alt) geht unglaublich gern mit mir in den Supermarkt zum einkaufen. Wir haben ungefähr 700 oder 800 Meter bis zum Einkaufszentrum zurückzulegen, weshalb ich sie nie gern mitgenommen hab. Was nämlich passiert ist, war folgendes: sie wollte unbedingt laufen und nicht mit mir auf dem Fahrrad fahren. Nach der Hälfte der Strecke oder spätestens auf dem Rückweg wurde es ihr zu anstrengend und sie wollte von mir getragen werden. Einkäufe und Kind die ganze Strecke zurücktragen war mir allerdings zu anstrengend!

Dann hatten wir mehrfach Diskussionen darüber, warum ich sie nicht mitnehmen wollten und sie hat mir versprochen selbst zu laufen. Die letzten Male hat sie diese Versprechen nun tatsächlich eingehalten und ist ganz tapfer hin und zurück selbst gelaufen. Nun hab ich mich wiederum geärgert, dass es zu lang gedauert hat, schließlich braucht so ein kleines Wesen für die 1,5 km doch eine ganze Weile.

Geteilte Freude ist doppelte Freude

Meine Tochter schiebt also mit großem Eifer ihren Einkaufwagen durch den Supermarkt, achtet darauf, dass ich den richtigen Joghurt und ausreichend Obst kaufe. Sie schlägt einige zusätzliche Lebensmittel vor, über die wir dann gemeinsam entscheiden. Sie merkt sich sogar die Elemente meines Einkaufszettels und ist sehr stolz darauf. Alles in allem genießt sie es unglaublich, mit mir etwas Zeit allein verbringen zu können und an wichtigen Entscheidungen zur Lebensmittelauswahl beteiligt zu sein.

Natürlich geht das Einkaufen deutlich schneller, wenn ich es allein erledige. Die unbeschreibliche Freude meiner Tochter am Einkaufen und der große Stolz, mit dem sie mir mehrfach mitgeteilt hat, dass sie selbst laufen kann und gar nicht getragen werden muss, haben es mir dennoch recht leicht gemacht, eine andere Sichtweise anzunehmen.

Ich habe nicht genug Zeit

Tatsächlich bin ich mir gar nicht sicher, ob ich insgesamt wirklich Zeit spare, wenn ich allein zum Einkaufen gehe. Allein für den Weg benötigen wir zusammen zwar ungefähr doppelt so lang. Dafür waren wir dann aber auch schon eine Weile an der frischen Luft, vor allem die Kleine hatte schon eine Menge Bewegung, oft auch noch verbunden mit Balancieren und einem kurzen Abstecher aufs Klettergerüst. Wir habe also schon zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, wir waren draußen und wir waren einkaufen. Wenn ich im Anschluss räumen und kochen möchte, ist meine Tochter ganz entspannt, kann sich gut allein mit einem Buch oder einem Spiel beschäftigen und ich kann ganz in Ruhe vor mich hin wursteln.

Ihr Ideen und Vorschläge bereichern unseren Speiseplan und selbstverständlich probiert sie auch wirklich jede Speise, die sie selbst ausgesucht und eingekauft hat. Und ganz nebenbei lernt sie verschiedene Lebensmittel kennen und erfährt, welches Obst und Gemüse wann wächst. Denn ich kaufe überwiegend saisonal und lehne schon auch mal Vorschläge von ihrer Seite ab, mit dem Hinweis auf die falsche Jahreszeit. Ich bin immer wieder überrascht, wieviel sie sich davon merkt und auch akzeptiert, dass ich beispielsweise im Februar keine Erdbeeren mitnehme.

Ich muss nur noch schnell…

Seit ich für mich akzeptiert habe, dass es OK ist meine Tochter zum Einkaufen mitzunehmen, ist es erstaunlicherweise auch für mich meist sehr entspannend. Ich weiß einfach von Vornherein, dass es eine Weile dauern wird, weshalb ich mir die Zeit einplane und nicht „nur noch schnell einkaufen gehe“. Einkaufen wird so plötzlich auch für mich zu einer Tätigkeit, er ich mich voll und ganz widme und die ich nicht versuche irgendwo „reinzuquetschen“.

Ähnlich funktioniert das auch mit dem Aufhängen von Wäsche, dem Decken des Tisches oder sogar dem Packen unserer Koffer. Was zuerst wie eine krasse Verzögerung wirkt, vermeidet auf längere Sicht viel Stress und Diskussion.

Für mich ist die Beteiligung meiner Kinder an einfachen Tätigkeiten des Haushalts unter anderem auch ein großer Schritt zur Entschleunigung meines eigenen Lebens. Ich vermeide damit ganz automatisch Multitasking, bin voll und ganz bei einer Sache und befasse mich ganz aktiv mit dem was ich tue, schon allein deshalb, weil ich vieles erklären und besprechen muss. Ganz nebenbei lernen meine Kinder eine Menge über die täglichen Aufgaben unseres Lebens.

Mit Kinder, eigentlich aber auch überall sonst im Leben, bringt es gar nichts irgendetwas „noch schnell“ machen zu wollen oder „nur kurz“ irgendwohin zu gehen. Wenn ich etwas tun möchte, kann ich mir sehr wohl auch selbst die Zeit dafür zugestehen, die es eben benötigt. Alles andere bedeutet um ein vielfaches mehr Stress, mehr Hetze und mehr Unzufriedenheit. Wenn du dein Leben auch entschleunigen und endlich wieder bewusste Zeit für dich haben willst, dann kannst du mit einer ganz einfachen Übung beginnen.

Entschleunige dein Leben

Als ersten Schritt kannst du dich eine Weile selbst beobachten und dir bewusst machen, wie oft du sagst, dass du „schnell oder „kurz“ noch etwas tun willst. Vielleicht fällt es dir anfangs gar nicht auf, dann lass dich von jemandem unterstützen, z.B. einer Freundin oder deinem Partner. Dieser Person fällt es vermutlich leichter deine Floskeln aufzudecken.

Dann versuche im nächsten Schritt diese Worte ersatzlos zu streichen. Oft wirst erst merken, dass du doch wieder „schnell“ oder „kurz“ gesagt hast, ohne dass du es vorgehabt hast. Dann formuliere den Satz nochmal neu und achte bewusst darauf, wie du sagen kannst, was du wirklich meinst. Mit der Zeit wirst du besser werden. Beobachte auch hier, was diese kleine Veränderung der Wortwahl mit dir und deiner Umwelt macht.

Vielleicht dauert es ein paar Wochen, aber ich wäre sehr verwundert, wenn sich nicht spätestens nach dieser Zeit etwas verändert hat, und zwar zum Positiven.

Lass mich sehr gern wissen, wie es dir ergangen ist, welche Erfahrungen du gemacht hast.

Wenn du merkst, dass du Unterstützung brauchen könntest, um dein Leben zu entschleunigen und wieder mehr Zeit für dich zu haben, dann kontaktiere mich für ein Kennenlern- und Strategiegespräch. Völlig unverbindlich und kostenlos, aber sicher nicht umsonst.