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Mein Thema diesen Monat ist Anerkennung und Wertschätzung vor allem der eigenen Person, der eigenen Leistung und eben auch des eigenen Körpers. Wir sind von unserem Körper oft so entfremdet, dass wir ihn gar nicht als Teil von uns betrachten. Üblicher Sprachgebrauch ist „ich habe einen Körper“. Warum denn nicht „ich bin mein Körper“? Der Körper dient uns meist als eine Art Werkzeug oder als ein Hilfsmittel zur Erreichung unserer Ziele. Der Körper soll funktionieren. Wenn er es nicht tut, beklagen wir die Mangelhaftigkeit und die Einschränkung, die uns daraus entsteht. Vielfach begeben wir uns dann in de Hände von Experten, wie Ärzten, Physiotherapeuten, Masseuren oder anderen Therapeuten, die Symptome beseitigen und den Körper wieder funktionsfähig machen sollen.

Symptome erzählen über das Leben

Viel mehr Sinn macht es allerdings, Symptome als Hinweise zu sehen. Unser Körper sagt recht deutlich, wenn er sich nicht gut behandelt fühlt und die Belastungen zu groß werden. Wer hat es nicht schon mal erlebt, dass sie genau nach einem wichtigen Termin krank geworden ist, dass pünktlich zum ersten Urlaubstag die Erkältung zuschlägt oder dass sie immer beim Besuch der Schwiegermutter Herpes oder Migräne bekommt? Da lohnt es sich mal genauer hinzusehen oder zu fühlen. Was will mir ein Symptom sagen? Was braucht mein Körper jetzt? Was kann ich tun, um wieder besser mit mir umzugehen? Was hat dieses Symptom oder diese Erkrankung vielleicht auch Gutes für mich getan?

Natürlich ist es nicht einfach, das Gute in einer Grippe oder einer Migräne oder einer Autoimmunerkrankung zu sehen. Gerade wenn ich akut unter der Krankheit leide, ist es nur naheliegend, mir zu wünschen, einfach gesund zu sein und mich nicht mit den Beschwerden rumquälen zu müssen. Ich möchte auch niemanden überzeugen, dass er oder sie keine Medikamente nehmen soll oder auf den Gang zum Arzt verzichten muss. Mir geht es nur um die Anerkennung und die Annahme der Erkrankung oder der Beschwerden, als einen wichtigen Beitrag zur Selbsterkenntnis und zur eigenen Entwicklung. Wenn ich meinen Körper gut kenne, wenn ich weiß, was er mir sagen möchte, dann kann ich daraus viel über mich erkennen und entsprechend einen positiven Umgang mit mir selbst erlernen.

Ich bin mein Körper

Körper, Verstand und Gefühle gehören alle zu mir, sie machen mich als Mensch aus. Die wechselseitigen Beeinflussungen sind vielfältig und gehen in alle Richtungen. Wenn wir also von Anerkennung sprechen, dürfen wir keinen Teil vergessen. Auch der Körper möchte erkannt und geschätzt werden, für ein umfassendes Wohlbefinden. Natürlich können wir nicht jede Krankheit vermeiden. Vielfach können wir aber Einfluss auf den Verlauf nehmen, wenn wir Symptome wahrnehmen, anerkennen und unser Verhalten den Bedürfnissen anpassen. So können z.B. Kopfschmerzen ein Zeichen für eine Erschöpfungssymptomatik sein. Wenn wir aufgrund der Kopfschmerzen für mehr Ruhe sorgen, können wir somit ein Fortschreiten der Erschöpfung vermeiden. In anderen Bereichen ist der Zusammenhang vielleicht nicht so offensichtlich, was nicht heißt, dass es keinen gibt.

Der Körper reagiert oft viel unmittelbarer und schneller auf belastende Ereignisse und Lebensumstände. als es der Verstand vermag. So können chronischer Stress oder Lärmbelastung bereits körperliche Beschwerden machen, bevor wir wissen, dass uns etwas stört. Eine falsche Entscheidung können wir als körperliches Unwohlsein spüren, bevor wir erklären können, wieso die Entscheidung falsch ist.

Zur Anerkennung der eigenen Person gehört also unbedingt auch die Anerkennung des eigenen Körpers. Anerkennung heißt, die tägliche Leistung des eigenen Körpers zu würdigen, Beschwerden wahr zu nehmen und Bedürfnissen nachzugeben, als gut für den Körper zu sorgen.

Körperwahrnehmung ist Übungssache

Vielen von uns wurde von klein auf ab-erzogen, auf den eigenen Körper zu hören. Wenn wir uns wehgetan hatten, hieß es „ist nicht so schlimm“. Gegessen wurde, was auf den Tisch kam, das eigene Sättigungs- oder gar Geschmacksempfinden wurde kaum berücksichtigt. Später haben wir uns viel von Junkfood ernährt oder über die Schmerzgrenze Sport gemacht. Selbst kleinste Krankheitszeichen haben wir mit Medikamenten unterdrückt. Und eine natürliche Geburt ohne Schmerzmittel haben sich nur die wenigsten von uns zugetraut.

Viele Erwachsene kennen nicht mal mehr das Gefühl von Hunger, Durst oder Sättigung und können nicht wahrnehmen, wo sie verspannt sind. Die gute Nachricht ist, dass das alles dennoch wieder erlernt und geübt werden kann. Wer seinen Körper gut kennt, kann darüber ganz einfach gesunde Verhaltensweisen etablieren, ohne auf eine starke Willenskraft angewiesen zu sein.

Wer gern wieder mehr auf den eigenen Körper hören möchte, kann mit ein paar einfachen Übungen beginnen:

  • Betrachte dich regelmäßig im Spiegel und finde mindestens drei Dinge, für die du deinen Körper schätzt. Sage sie laut zu deinem Spiegelbild und bedanke dich dafür. Merkst du eine Veränderung?
  • Setze oder lege dich entspannt hin, gehe deinen Körper von oben nach unten durch, spanne die einzelnen Muskeln an und entspanne sie dann wieder gezielt. Spürst du, wo deine Verspannungen sitzen? Konntest du vielleicht sogar schon welche lösen? Wiederhole diese Übung mehrmals pro Woche.
  • Übe dich in achtsamen Essen. Iss nur wenn du Hunger hast. Genieße jede Mahlzeit. Achte gezielt darauf, wann du satt bist und beende das Essen dann auch. Wie verändert sich dein Essverhalten dadurch?
  • Versuche jede Krankheit als eine Chance, eine Möglichkeit zu sehen, wieder etwas über dich zu lernen und dir etwas Gutes zu tun. Nimm auch leicht Symptome wahr und versuche deinem Körper zu geben, was er braucht.

Wenn du schon etwas mehr Übung hast, kannst du sicherlich auch weiter Möglichkeiten finden, deinen Körper mehr wahrzunehmen. Auch Yoga, Meditation, Freizeitsport und andere Hobbys bieten hierfür vielfältige Möglichkeiten.

Ich wünsch dir viel Freude dabei deinen Körper besser kennen und schätzen zu lernen.

Teil mir gern deinen Erfahrungen mit.

Ich bin gespannt drauf.