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Schon wieder gibt es einen sehr persönlichen Blogbeitrag, der sich mit unseren Erlebnissen und Erfahrungen der letzten Wochen befasst. Denn es waren mal wieder Erlebnisse mit meinen Kindern, die mir neue Erkenntnisse und einen großen Schritt ins Unbekannte ermöglicht haben.

Aus einer eigentlich sehr unerfreulichen Situation ist etwas entstanden, woran wir wachsen können, etwas das mir ermöglicht strukturierter und fokussierter zu werden und einfach mal wieder etwas neues, unbekanntes auszuprobieren.

Eine Situation, die viel Energie gefressen und mich stark belastet hat, ist nun komplett aufgelöst, wenn auch ganz anders als geplant und erwartet.

Was ist denn geschehen?

Letztes Jahr sind wir mit unseren Kinder aus der Berliner Innenstadt nach Berlin-Köpenick gezogen. Im Rahmen des Umzugs sind die beiden Kleinen in eine neue Kita gekommen. Es erschien uns eine nette, kleine, alternative Kita zu sein. Einbettet in eine alte Villa mit leicht verwildertem Garten, konnten wir uns gut vorstellen, dass es den Kinder dort gefällt.

Da wir uns seit vielen Jahren vegetarisch ernähren, haben wir dieses Thema natürlich auch bereits vor der Vertragsunterzeichnung angesprochen. Es war uns gesagt worden, dass sie viel Wert auf gesunde Ernährung legen. Fleisch stehe nur einmal pro Woche auf dem Speiseplan, wurde uns versichert. Und die vegetarische Ernährung unserer Kinder sei kein Problem.

In der Praxis sah die Ernährung dann leider ganz anders aus. Fleischgerichte bis zu viermal pro Woche waren keine Seltenheit, dafür gab es aber einen sehr laschen Umgang mit Süßigkeiten. Immer wieder suchte ich das Gespräch mit verschiedenen Erzieherinnen, wurde aber abgewiesen oder vertröstet auf einen späteren Zeitpunkt.

Gegen Ende des Kitajahres stellte sich heraus, dass wir immer wieder angelogen worden waren und die Erzieherinnen sich nicht an Absprachen hielten, obwohl wir diese mehrfach bestätigt hatten.

Gleich nach den Sommerferien vereinbarten wir ein Gespräch mit der Leitung. Sie wollte sich nicht daran erinnern können, dass sie uns zugesichert hatte, dass vegetarische Ernährung kein Problem sei. Ganz im Gegenteil lehnte sie es strikt ab unseren Kindern vegetarisches Essen zu bestellen oder auch nur drauf zu verzichten ihnen Fleisch und Wurst zu servieren oder anzubieten. Sie gab uns sogar schriftlich, dass sie (bei der Ernährung) nicht gewillt sei auf Religion oder Weltanschauung Rücksicht zu nehmen.

Über verschiedene Ereignisse spitzte sich der Konflikt weiter zu und fand dann kurz nach den Herbstferien seinen Höhepunkt. Beim Mittagessen nahm die betreuende Erzieherin meinem Sohn den vor ihm stehenden Teller wieder weg und erklärte ihm, dass er nichts zu essen bekommt, weil Mama das Essengeld nicht bezahlt hat (was nicht mal den Tatsachen entsprach).

Am nächsten Tag wollte er auf keinen Fall in die Kita gehen und hat sich weinend an mich geklammert, bis ich ihm zugesichert habe, dass er zuhause bleiben kann. Sowohl mein Mann als auch ich haben das Gespräch mit der entsprechenden Erzieherin gesucht, sie hat uns allerdings vermittelt, dass es ein Missverständnis gewesen sei und sie weder mit uns noch mit dem Kind etwas weiteres zu klären habe.

Ihr Verhalten, das wir als unprofessionell und kindswohlgefährdend einstufen, wurde von der Leitung mitgetragen. Unser bereits gestörtes Vertrauen war nun endgültig verloren und wir nahmen sofort beide Kinder aus der Kita. Nun sind sie also (fürs Erste) zuhause. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Problem mit der Ernährung, ist tatsächlich ein Problem fehlender Wertschätzung den Eltern, vor allem aber auch den Kindern gegenüber.

Wie es weiter geht

Die Kinder konnten erst gar nicht verstehen, dass sie nicht mehr in die Kita gehen müssen, sie kennen es schließlich nur so. Als sie es dann aber doch verstanden hatten, dass es sich nicht nur um einen Tag handelt, den sie zuhause bleiben dürfen, sondern dass sie gar nicht in diese Kita zurückkehren werden, war die Erleichterung vor allem bei unserem Sohn riesig.

Auch wenn ich selbst diese Entscheidung getroffen habe, weil sie mir als notwendig und richtig erschien, hielt ich die Konsequenzen dennoch zuerst für eine Katastrophe. Ich hatte in letzter Zeit sowieso nicht viel arbeiten können, weil mich die Auseinandersetzung so sehr belastete und natürlich auch viel Zeit beansprucht hatte für Gespräche und Informationsbeschaffung. Meine Befürchtung war, dass es jetzt so weiter gehen würde. Aber dann habe ich sehr schnell begonnen das als Chance zu sehen, für mich und für uns als Familie.

Ich habe viel positives Feedback bekommen und auch Erfahrungsberichte von anderen Müttern, die aus Überzeugung ihre Kinder zuhause haben und sich dennoch nicht auf die Rolle der Hausfrau und Mutter reduzieren lassen. Meine bisherige Erfahrung und die Erwartungshaltung hatte mir vorgegaukelt, dass es nur einen Weg gäbe. Nur wenn die Kinder den ganzen Tag in der Kita betreut sind, ist Vereinbarkeit überhaupt möglich. Deshalb tat es mir sehr gut, dass plötzlich Menschen da waren, die aus eigener Erfahrung wissen, dass es auch anders geht.

Wir gehen also mal wieder neue Wege und probieren das familiengerechte Arbeiten mit Kindern. Schon allein die Entscheidung die Kinder aus der Kita zu nehmen, trug dazu bei die ganze Situation ungemein zu entspannen und zu entlasten, so dass bei mir sofort wieder Energien und Ressourcen freigesetzt wurden, die ich in meine Arbeit stecken konnte. Auch die Kinder entspannten sich innerhalb weniger Tage merklich, so dass sie besser und länger miteinander spielen konnten und bereit waren Vereinbarungen zu treffen und einzuhalten.

Sicherlich müssen wir noch ein bißchen rumprobieren und uns finden, aber alles in allem bin ich zuversichtlich, dass wir das hinbekommen. Es wird noch verschiedene Gelegenheiten und Termine geben, für die ich jeweils einzeln entscheiden muss, ob ich die Kinder mitnehmen kann, absagen oder mir Unterstützung suchen sollte. Vielleicht sind die Tage noch ein bißchen weniger planbar, weil ich nicht davon ausgehe, dass mir die Kinder jeden Tag gleichermaßen gut meine Arbeitszeit zugestehen. Und es ist ebenfalls eine starke Umstellung, dass ich plötzlich wieder jeden Tag Mittagessen kochen soll, aber tatsächlich tut das auch meinem Ernährungsverhalten nur gut.

Die Situation und vor allem auch die Leichtigkeit, mit der ich diese Entscheidung treffen konnte, hat mir etwas über mich gezeigt. Ich sehe meine wichtigste Aufgabe in meiner Rolle als Mutter. Das Wohlergehen meiner Kinder hat Vorrang, es ist für mich kein Kompromiss, wenn ich dafür meine berufliche Entwicklung etwas zurückschrauben muss, es ist einfach logische Konsequenz. Natürlich kann ich mich glücklich schätzen, das ich als Freiberuflerin einfach die Möglichkeit habe über den Umfang meiner Arbeit unkompliziert und eigenverantwortlich zu bestimmen. Es ist aber vielleicht auch wirklich die beste Voraussetzung um bedürfnisorientiert Familie und Beruf zu vereinbaren.

Ich bin jetzt nicht zu einer Gegnerin der Fremdbetreuung von Kindern geworden, schließlich haben wir viele Jahre sehr positive Erfahrungen sammeln können. Der Kontakt zu anderen Kinder ist wichtig und fördert die soziale Kompetenz. Liebevolle, wertschätzende Betreuung auch außerhalb der eigenen Familie stärkt die Kinder und ihr Selbstvertrauen. Und selbst die Erfahrung, dass an verschiedenen Orten verschiedene Regeln gelten, fördert nur die Fähigkeit diese auch mal zu hinterfragen. Ich werde also weiterhin nach Kitaplätzen suchen, aber es hat jetzt nicht mehr Priorität und wir werden nur Plätze nehmen, die uns wirklich überzeugen.

Fazit

Hätte mir noch vor wenigen Monaten jemand gesagt, dass ich kitafreie Kinder haben würde, hätte ich ihn ausgelacht. Wo es aber plötzlich doch so ist, fühlt es sich ganz normal und natürlich an. Diese Erkenntnis lässt sich auch ganz schön verallgemeinern:

  • Viele Dinge sind gar nicht so schwierig, wie man sie sich vorher ausmalt. Das wichtigste ist, erstmal zu beginnen und überhaupt etwas zu tun, dann ergibt sich der Rest von ganz von allein. In viele Situationen wachsen wir problemlos hinein, wenn wir uns ihnen nur stellen.
  • Wenn ich mich für Erkenntnisse und Erfahrungen öffne, dann kommen sie zu mir. Erst als ich den Gedanken an kitafreie Kinder zugelassen habe, konnte ich all die Menschen in meinem Umfeld sehen, deren Kinder ebenfalls zuhause sind und nach Tipps und Erfahrungen dort fragen.
  • Wir halten das war wir kennen und schon immer so gemacht haben für die Norm. Erst wenn wir diese hinterfragen, stellen wir fest, dass es immer mehr Möglichkeiten und Optionen gibt, als wir zuerst sehen.
  • In meinem Netzwerk gibt es viele Menschen, die ganz anders sind als ich, die anders leben und andere Werte vertreten. In dieser für mich neuen und ungewohnten Situation konnte ich erkennen, wieviel Inspiration und Unterstützung aus einem solch bunten und vielfältigen Netzwerk erwächst.
  • Und auch wenn es banal klingt, sollte es nochmal deutlich gesagt werden: Auch aus einer unangenehmen Erfahrung kann ich positive Lerneffekte und schöne, neue Erfahrungen gewinnen.

In bin sehr dankbar für diese Erfahrungen und freue mich auf alle weiteren Erkenntnisse und Erlebnisse aus der neuen Situation.

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