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Als mich Felicitas Richter fragte, ob ich an ihrer E-Book-Aktion „Simple Present im Praxistest“ mitmachen wollte, war ich zuerst etwas verwirrt. Zwar kannte ich sowohl die Methode als auch Felicitas selbst zu diesem Zeitpunkt schon eine Weile, das Buch hatte ich aber nie gelesen. Irgendwie war mir auch bewusst, dass ich mit meinem Power-Mama-Coaching wohl ein ganz ähnliches Konzept entwickelt hatte. Meine Neugier war also geweckt.

Das Buch und ich

Ich setzte mich also gemütlich mit dem Buch „Schluss mit dem Spagat – Wie sie aufhören, sich zwischen Familie und Beruf zu zerreißen“ auf unser Sofa und begann zu lesen. Es ist schon lang her, dass ich das letzte Mal ein Buch innerhalb weniger Tage fertig gelesen hatte. Zugegebenermaßen habe ich manche Abschnitte übersprungen, aber ich habe es dennoch von vorn bis hinten durchgearbeitet und mir sogar ein paar Notizen gemacht.

In den Fallbeschreibungen von Felicitas konnte ich mich nicht so richtig wiederfinden. Im weiteren Verlauf des Buches ertappte ich mich aber immer wieder dabei, dass ich eifrig nickend las und mich in unglaublich vielen meiner mühsam erworbenen Erkenntnissen zutiefst bestätigt fühlte. Und es verschaffte mir beinahe eine Art Befriedigung, dass auch die „Simple Present“ Methode auf ein achtsames Leben mit Fokus auf den aktuellen Moment als Weg zur langfristigen Gelassenheit und Vereinbarkeit baut. Bewusstes, möglichst einfaches Leben im Hier und Jetzt, so gewinne ich Zeit und Zufriedenheit. „Simple“ und „present“, einfach und gegenwärtig anwesend, sehr schön auf den Punkt gebracht. Es war also nicht nur meine Idee, dass es so funktionieren kann.

Mein Hintergrund als „working Mom“

Anders als die Frauen im Buch, bin ich in meinem Leben als berufstätige Mutter nie an den Punkt der völligen Erschöpfung gekommen, vielleicht weil ich schon immer gut genug auf mich selbst geachtet habe oder weil ich von Anfang an Prioritäten hatte, die mir und meiner Gesundheit sehr förderlich waren.

Als Mutter hatte ich nie den Anspruch Vollzeitkarriere zu machen. Aufgewachsen bin ich in einem sehr traditionellen Familienmodell, was ich mir für mein Leben nicht vorstellen konnte. Wie ich es wirklich machen wollte, war mir vorher allerdings nicht klar und als ich selbst das erste Kind bekommen hatte, war ich umgeben von Müttern, die nach wenigen Monaten wieder Vollzeit oder annähernd Vollzeit arbeiten gingen. Mir blieb also eigentlich gar nichts anderes übrig, als mich ganz bewusst mit meinem Bild und meinem Rollenverständnis von Müttern auseinanderzusetzen.

Eigentlich kann ich es als Mutter nur falsch machen

So ziemlich jede Mutter in meinem Umfeld kämpft mit dem Thema Vereinbarkeit. Die eigenen Ansprüche sind meist hoch, es ist aber durchaus verschieden, wo sie die größten Schwierigkeiten erleben. Die einen fühlen sich insuffizient, weil sie es nicht schaffen, entspannt Vollzeitjob, Haushalt und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen und die anderen haben ein schlechtes Gewissen, weil sie in der Zeit, die sie arbeiten, nicht für die Kinder da sein können.
Bei vielen mischen sich auch beide Gefühle, was die Situation sicher nicht einfacher macht. Oft erscheint es so, als können man es als berufstätige Mutter nur falsch machen, egal wie viel oder wenig man arbeitet.

Es ist nicht mehr das gleiche

Und dann passierte da noch was mit dem Mutterwerden. Es gab bei mir eine ganz wichtige Veränderung, die ich selbst zuerst nur sehr unbewusst und verworren wahrgenommen habe. Erst mit dem zweiten Kind wurde es mir viel klarer und verständlicher: Ich hatte durch meine Kinder eine gewaltige Werteverschiebung erlebt, mir waren inzwischen einfach völlig andere Dinge wichtig als vorher und ich wollte auch sehr gerne mehr Verantwortung übernehmen, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen und meinen Kindern ein gutes Vorbild zu sein.

Erst ganz langsam wurde mir bewusst, dass ich absolut nicht allein war mit dieser Erfahrung. Während ich zuerst nur all die Eltern sehen konnte, die ihre Kinder scheinbar mühelos in ihr vorhandenes Lebenskonzept einpassten, begegneten mir dann immer mehr Eltern, die teilweise sehr lange und mühsam an ihrer Neuorientierung arbeiteten. Vieles was vorher wichtig war, ist es plötzlich nicht mehr und anders herum.

Wir sind alle Powermamas

Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelten ich mein Power-Mama-Coaching, ebenfalls sehr langsam und Schritt für Schritt, aber kontinuierlich und konsistent. Eine Power-Mama kann dabei auch wirklich jede Mutter sein, sie muss weder Vollzeit berufstätig sein noch irgendwelche heldenhaften Züge aufweisen. Eine Power-Mama ist einfach eine Mutter die ihr Leben selbst in die Hand nimmt und bewusst Kraft und Energie auf ihre Selbstbestimmung verwendet, in dem Wissen, dass eine zufriedene, glückliche Mutter die beste Voraussetzung für zufriedene, glückliche Kinder ist.

Aus diesem Grund ist für mich die Standortbestimmung essenziell. Ich finde es unglaublich wichtig mir selbst über die guten und weniger guten Dinge in meinem Leben bewusst zu werden und mir meine Wünsche und Träume klar zu machen. Oftmals sind stimmen unsere Träume gar nicht mir dem überein, wonach wir streben, worauf wir hinarbeiten. Unsere Träume haben sich vielleicht schon verändert, aber unsere gesamte Ausrichtung ist dem überhaupt noch nicht angepasst.

Im Power-Mama-Coaching geht es also nicht um Schadensminimierung, sondern darum, das Leben im Einklang mit den eigenen Werten auszurichten, um langfristig glücklich und zufrieden zu sein. Wenn ich Abläufe optimiere, Aufgaben abgeben, Unterstützung besorge und lerne meine Grenzen zu achten, dann kann ich vermutlich einen Burnout erfolgreich umschiffen, unter Umständen bin ich dennoch sehr weit weg von meinem Wunschleben.

Lebe deinen Traum, aber bitte ohne Burnout

Tatsächlich ist es aber natürlich auch so, dass ich mich erst meinen Träumen und Zielen widmen kann, wenn die Grundbedürfnisse befriedigt sind und ich noch freie Kapazitäten und Kräfte habe.

Dafür ist es unabdingbar, zuerst den Teufelskreis aus Stress, Erschöpfung und schlechtem Gewissen zu verlassen. Was dabei hilft, ist gelebte Achtsamkeit im Alltag, d.h. Multitasking abstellen, ganz präsent bei der einen Sache sein, die ich gerade tue, und die eine Sache beenden, bevor ich die nächste beginne. Die Wissenschaft konnte inzwischen ganz klar belegen, dass es Multitasking gar nicht. Was wir beim sogenannten Multitasking tun, ist ein ganz schnelles Umschalten zwischen verschiedenen Tätigkeiten. Dieses dauernde Umschalten verursacht und enorm viel Stress und bringt nichts.

Wenn wir uns auf eine Sache fokussieren, können wir viel konzentrierter arbeiten, machen weniger Fehler, sind schneller fertig und haben gleichzeitig weniger Stress. Gerade wenn wir unter Druck stehen, viel zu tun haben und befürchten unsere Aufgaben nicht zu schaffen, ist es am allerwichtigsten achtsam und fokussiert zu sein, da wir nur so überhaupt eine Chance haben, alles zu schaffen ohne uns selbst aufzuarbeiten. Für mich ist diese Erkenntnis das Herzstück der Entschleunigung, für Felicitas ist es „simple present“. Egal wie wir es nennen, hier liegt der Schlüssel zu Vereinbarkeit und Gelassenheit.

Fazit

Ein entschleunigtes Leben ist ein achtsames Leben, ist ein „simple present“ Leben. Für berufstätige Mütter kann der Weg zu mehr Zeit, mehr Lebensfreude und weniger Stress nur über bewusstes Leben im Hier und Jetzt führen.
Umso fordernder der Alltag ist, umso wichtiger wird es, mit der Aufmerksamkeit immer nur bei einer Sache gleichzeitig zu sein und regelmäßig kurze und auch längere Auszeiten einzubauen.

Das beste Wunschleben rückt so in greifbare Nähe!