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Als Jörg K. Unkrig mich fragte, ob ich bei seiner Blogparade zum Thema „Vorbild“ mitmachen wollte, reagierte ich zuerst einmal vorsichtig ablehnend. „Ein Vorbild sein“ oder „ein Vorbild haben“, das ist eher nichts, womit ich mich identifizieren kann. Ich denke da immer zuerst an alle möglichen berühmten Menschen, die besonders reich, besonders schlank, besonders gutaussehend oder besonders erfolgreich sind.

Vorbilder? Brauche ich nicht!

Für mich ist der Begriff des Vorbilds ganz deutlich negativ assoziiert. Jemanden zum Vorbild zu stilisieren bedeutet meist nur, eine besonders positive Eigenheit dieser Person in den Vordergrund zu stellen und darüber alle anderen Aspekte und vor alle auch alle anderen Merkmale dieser Person außen vor zu lassen und einfach zu ignorieren.

Noch schlimmer empfinde ich es wenn andere Menschen einem ein Vorbild nahelegen, so in dem Sinne „nimm dir mal ein Beispiel an dem“. Diese Aussage überhöht nicht nur das Vorbild, sondern macht auch deutlich, dass der Sprecher die Leistung oder die Art des Angesprochenen nicht besonders hoch schätzt. Vor allem Kinder bekommen solche Aussagen oft zu hören.

Zusammengefasst bedeutet das, ich habe keine Vorbilder, ich brauche keine Vorbilder und ich will kein Vorbild sein. Jeder Mensch ist einzigartig und so möchte ich gar nicht die einzelne Leistung an der eines anderen Menschen messen.

So weit, so gut.

Ich hab da wohl was vergessen.

Was mir in den Kopf gekommen ist, war nur die negative Ausprägung des Vorbilds, die vielleicht nicht mal die häufigere ist. Eine große Gruppe Menschen habe ich dabei völlig außer Acht gelassen, nämlich die Kinder.
Kinder lernen sehr ausgeprägt am Beispiel bzw. am Vorbild. Sie orientieren sich an älteren Kindern oder Erwachsenen und ahmen die beobachteten Verhaltensweisen nach, sei es beim Sozialverhalten, bei Bewegungsabläufen, Mimik oder Gestik.

Besonders deutlich fällt mir das an meinen Kinder vor allem immer dann auf, wenn sie Verhalten an den Tag legen, dass besonders dazu geeignet ist, mich auf die Palme zu bringen. Meist regen mich diese Dinge so auf, weil mir die Kinder hier einfach einen Spiegel vorhalten. Sie zeigen Verhaltensweisen, die ich schon an mir nicht so gern mag und an ihnen dann so gar nicht ausstehen, geschweige denn übersehen kann.

Wohl oder übel komme ich also nicht umhin anzuerkennen, dass ich ein Vorbild bin, zumindest für meine eigenen Kinder.

Vorbild vs. Erziehung

Tatsächlich lernen unsere Kinder ständig und viel durch unsere Vorbildfunktion. Völlig egal welche Erziehungsprinzipien du hast, am meisten Einfluss auf deine Kinder hat dein eigenes Verhalten. Das was du vorlebst, übernehmen deine Kinder am stärksten.

Das impliziert natürlich einen wahnsinnigen Hebel, den wir nur zu nutzen wissen müssen. Wenn du also deinen Kindern wertschätzendes Verhalten, Höflichkeit, Verkehrssicherheit, gesundes Essverhalten, Nachhaltigkeit oder sonst irgendein Verhalten oder eine Lebensanschauung beibringen willst, solltest du es am besten authentisch vorleben.

Du kannst deinen Kindern noch so oft erzählen, dass sie sich gesund ernähren sollen, wenn du selbst in der Küche stehend dein Junkfood futterst, werden sie kaum ein gesundes Essverhalten entwickeln. Wenn du dich selbst verhältst wie die Axt im Walde, werden aus deinen Kindern vermutlich auch keine feinfühligen, zuvorkommenden Menschen werden.

Klar könnte man das jetzt als große Herausforderung oder gar Belastung betrachten. Du kannst dich aber auch einfach zurücklehnen und dich entspannen. Denn was auch klar geworden sein sollte, ist, dass du nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen haben musst, um eine gute Mutter zu sein. Es spielt gar nicht so sehr eine Rolle, dass du zu allen Erziehungsfragen eine durchdachte und fundierte Meinung hast. Wenn du nur im Umgang mit deinen Kindern authentisch und ehrlich bist, werden sie sich schon nicht so schlecht entwickeln.

Glückliche Mutter –> glückliche Kinder

Natürlich willst du das beste für deine Kinder. Du willst dass sie selbständige, zufriedene Menschen voller Selbstvertrauen und Lebensfreunde werden. Du möchtest hier nichts dem Zufall überlassen oder einfach drauf vertrauen, dass es schon gut werden wird. Aus diesem Grund kümmerst du dich natürlich aufopferungsvoll um deine Kinder, auch wenn du dabei manchmal zu kurz kommst (oder täusche ich mich da?)

Selbstvertrauen entwickeln Kinder besonders dann, wenn sie bedingungslose Liebe durch ihre Eltern erhalten und immer wieder hören, dass sie ihr Wert nicht von einer bestimmten Leistung abhängig ist. Noch einfacher wird es aber, wenn du als Mutter ebenfalls ein gutes Selbstvertrauen hast und aus eigener Überzeugung davon sprechen kannst.

Wenn du ihnen ganz selbstverständlich vorlebst, wie du selbst deine eigenen Grenzen achtest, deine Bedürfnisse erst nimmst und Initiative für dein eigenes Wohlbefinden übernimmst, werden sie auch später keine Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und anzuerkennen.

Es lohnt sich also doppelt, wenn du gut für dich sorgst. Es geht dir selbst gut, du fühlst dich rundum wohl und kannst genau das an deine Kinder weitergeben, die sich dann auch langfristig sehr viel leichter tun, für sich zu sorgen.

Selbstfürsorge ist also keinesfalls egoistisch, sondern genau das Gegenteil trifft zu. Ich bin ganz sicher, dass eine zufriedene, selbstverantwortliche Mutter auch zufriedenen selbstverantwortliche Kinder hat.

Wenn du dabei noch Verbesserungsbedarf bei dir siehst, unterstütze ich dich gern.