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Kaffee oder Tee? Müsli oder Toast? Bus oder Fahrrad? Salat oder Suppe? Nach Hause oder noch ins Fitnessstudio? Fernsehen oder schlafen?

Von morgens bis abends treffen wir ungezählte Entscheidungen, viele davon werden uns gar nie richtig bewusst, weil wir sie nebenbei treffen, kaum einen Gedanken daran verschwenden. Viele Dinge entscheiden wir routinemäßig fast immer gleich. Dann muss schon eine deutlich veränderte Situation vorliegen, dass wir aktiv eine andere Entscheidung treffen. Wer z.B. jeden Tag mit dem Bus in die Arbeit fährt, wir vermutlich nur bei besonders schönem Wetter auf die Idee kommen, das Fahrrad zu nehmen. Wer hingegen immer mit dem Fahrrad fährt, denkt eher erst bei tiefen Minusgraden, Schneegestöber oder Hagelschauer an die Möglichkeit mit dem Bus in die Arbeit zu fahren.

Dann gibt es die aktiven Entscheidungen, die wir alle mehr oder weniger begeistert immer wieder erleben. Jeder von uns entscheidet sich tagtäglich für Kleidung, die er anziehen möchte. Im Restaurant oder beim Kauf von neuen Schuhen trifft man eine Entscheidung. Viele von uns stellen diese Arten von Entscheidungen nicht vor ein größeres Problem, manche allerdings schon. Sich für eine Urlaubsreise zu entscheiden ist schon etwas anspruchsvoller. Ähnliches gilt für die Anschaffung eines Autos oder die Gestaltung der Wohnung. Am meisten plagen uns Grübeleien und Zweifel, wenn es um wichtige berufliche und persönliche Entscheidungen geht, wie das Beenden eine Beziehung oder den Schritt in die Selbständigkeit.

Auf die Konsequenzen kommt es an

Die Schwierigkeit einer Entscheidung hängt hauptsächlich davon ab, wie schwerwiegend uns die Konsequenzen erscheinen. Wenn wir heute im Restaurant eine Pizza bestellen, steht es uns frei, beim nächsten Mal Nudeln zu nehmen. Unter der Voraussetzung, dass wir sowohl Pizza als auch Nudeln zu schätzen wissen, hat die Entscheidung keinerlei Auswirkungen auf unsere Zufriedenheit in der weiteren Zukunft, deshalb fällt sie uns vergleichsweise leicht. Dennoch kennen wir alle mindestens eine Person, die sich im Restaurant nie entscheiden kann, die immer länger braucht als alle anderen, bis sie weiß, was sie essen möchte. Oft ist es dann auch die gleiche Person, die anschließend nicht zufrieden ist mit ihrer Wahl und lieber etwas anderes gehabt hätte.

Die Auswahl der richtigen Garderobe ist an einem gewöhnlichen Arbeitstag eher nicht so kompliziert. Zu besonderen Anlässen kann es durchaus zu einer größeren Herausforderung werden. Dann wird der Entscheidung plötzlich viel größere Bedeutung beigemessen. Die Kleidung muss einem tieferen Zweck dienen, einen speziellen Eindruck vermitteln, unsere Selbstdarstellung vervollkommnen oder einer bestimmte Funktion erfüllen. Die Auswirkungen einer falschen Auswahl können also durchaus tiefgreifend sein oder empfunden werden, beispielsweise wenn wir völlig underdressed auf einer Veranstaltung erscheinen.

Am schwierigsten und am anstrengendsten sind Entscheidungen, die anhaltende und schwerwiegende Auswirkungen auf unser Leben haben. Schlaflose Nächte bereiten uns meist die Entscheidungen, die wir als existenziell empfinden. Bei solchen Entscheidungen haben wir vielfach das Gefühl von Endgültigkeit, nie wieder zurück zu können. So beispielsweise, wenn wir eine Beziehung beenden oder den Job kündigen. Gerade in schlechten Momenten können dann solche Gedanken aufkommen wie „ich werde nie wieder einen Job finden“ oder „es gibt keinen anderen Mann, der mich so gut versteht“.

Wichtig ist hier mit den eigenen Wünschen und Zielen in Kontakt zu kommen. Also für sich selbst Fragen zu beantworten wie „was möchte ich durch die Entscheidung erreichen?“, „wie komme ich meinem Ziel näher?“, „was möchte ich vermeiden?“ und „wer kann mich bei der Erreichung meines Ziels unterstützen“. Wenn wir die Ziele für uns selbst gut genug geklärt haben, ergibt sich die Lösung unseres Problem manchmal schon fast wie von selbst. Auch in den anderen Fällen wird es einfacher zumindest eine Tendenz zu entwickeln.

Zu viele Optionen blockieren

Untersuchungen zum Kaufverhalten belegen gut, dass eine gewisse Auswahl die Kaufbereitschaft erhöht. Wenn die Auswahl allerdings noch größer wird, dann sinkt die Kaufbereitschaft wieder deutlich unter das Niveau bei mittlerer Auswahl. Zuviel Auswahl überfordert also die Kunden, so dass sie sich lieber einer Entscheidung entziehen, indem sie nichts kaufen.

Aus einer einseitigen Speisekarte das perfekte Gericht herauszusuchen gelingt oft leicht, bei einer sehr umfassenden Karte ist das viel schwieriger. Für mich persönlich ist es viel einfacher unsere Familienurlaube kurzfristig zu buchen, weil ich dann nehmen muss, was noch da ist und kaum eine Auswahl treffen kann. Für manche Leute ist es ein unlösbares Problem, sich für eine von mehreren interessanten Aktivitäten zu entscheiden, wenn diese zeitgleich stattfinden und sich dadurch gegenseitig ausschließen.

Ähnlich ergeht es uns, wenn wir zuviel wissen und / oder hohe Ansprüche haben. Wenn wir versuchen vor dem Kauf einer neuen Jeans zu klären, bei welchem Modell soziale, ethische, ökologische, qualitative und modische Aspekte am besten vereinbart worden sind, werden wir aller Wahrscheinlichkeit nach ohne Hose den Laden verlassen müssen, weil eine Entscheidung unermesslich langwierig und schwierig geworden ist. Auch wenn wir nur die besten Kirsche, den schönen Rock oder den liebevollsten Partner haben wollen, wird es mehr als kompliziert, da immer das Risiko besteht, doch noch nicht alle Kriterien berücksichtigt und doch noch nicht alle Alternativen betrachtet zu haben.

Wenn wir selbst das Gefühl haben, dass uns die ganze Welt offen steht und wir alle Möglichkeiten der Selbstverwirklichung haben, dann mag das ein tolles und beflügelndes Gefühl sein. Möglicherweise behindert uns das allerdings dabei, wirklich ins Tun zu kommen, auch nur eine dieser Möglichkeiten zu nutzen und wirklich etwas aus uns zu machen. Hier geht es darum, sich selbst zu fokussieren, eigene Prioritäten zu formulieren und so unsere Ziele zu konkretisieren. Ganz praktisch bedeutet das, dass wir uns auf die wichtigsten Ziele konzentrieren und auf diese hinarbeiten, ohne über alle anderen Möglichkeiten nachzudenken. Sollte dabei wirklich etwas zu kurz kommen, das für uns eine riesige Bedeutung hat, dann wird uns das früher oder später bewusst werden, auch wenn wir nicht dauernd drüber nachgedacht haben. Dann, und erst dann, ist es an der Zeit diesen Aspekt wieder in den Vordergrund zu rücken.

Zu wenig Optionen machen unglücklich

So wie uns das Übermaß an Möglichkeiten behindert, so schränkt und ebenfalls der Mangel an Optionen in unserer Entfaltung ein. Wenn wir keine Auswahl haben, dann finden wir uns meist damit ab, zufrieden macht es uns üblicherweise dennoch nicht. Nicht umsonst gibt es alle Gegenstände des täglichen Gebrauchs in verschiedensten Farben und Formen (hier ist eher wieder die Schwierigkeit, dass die Auswahl zu groß ist).

Häufig hört man den Begriff „Sachzwang“, der nichts anderes beschreibt, als keine Möglichkeiten, keine Alternativen zu haben. Sachzwänge stehen für Situationen in denen sich die Betroffenen belastet fühlen durch das Gefühl etwas tun zu müssen oder etwas nicht tun zu können. Es geht um Situationen die von außen vorgegeben sind und uns keine oder wenig Handlungsmöglichkeiten lassen.

Das Gefühl zu wenig Optionen zu haben, verursachen wir häufig selbst, da unser Denken in belastenden und stressigen Situationen eingeschränkt ist. Wir verfallen dann gern mal einem ausgeprägten Schwarz-weiß-denken, wir fühlen uns in einem klassischen Dilemma, sehen alternative Wege gar nicht mehr und haben uns in den eigenen Gedanken verfangen. Auch ein sogenannter Sachzwang ist häufig nichts anderes als ein gefühlter Mangel an Optionen. Von außen betrachtet gibt es durchaus Möglichkeiten und Alternativen, die uns nur selbst nicht bewusst sind.

In diesen Situationen geht es darum unsere Wahrnehmung zu schulen, unsere gedanklichen Fesseln abzuschütteln und unseren Horizont wieder zu erweitern. Besonders in einem Dilemma lohnt es sich die verhärteten Krusten aufzubrechen und sich selbst diese Fragen zu beantworten: „Wie sieht es aus, wenn ich beide Optionen miteinander vereinbaren kann?“ „Welche Auswirkungen hat es, wenn ich weder das eine noch das andere mache?“ „Was kann ich stattdessen tun?“. Auch wenn es am Anfang so aussieht, als gäbe es keinen Antworten auf die Fragen, lohnt es sich nachzudenken, in die Tiefe zu gehen, die Antworten schriftlich zu formulieren oder einer vertrauten Person darzulegen. Es ist gut möglich, dass wir selbst überraschende Antworten finden.

Der eigenen Intuition vertrauen lernen

Wenn wir der Wissenschaft glauben, sind wir alle rationale Wesen, die immer die sinnvollste und logischste Option suchen, um danach zu handeln. Wenn es so einfach wäre, müsste es möglich sein, vor einer jeden Entscheidung Pro- und Contra-Liste zu machen und einfach die Einträge auf jeder Seite zu zählen. Eventuell wäre es noch erforderlich die Einzelaspekte nach Bedeutung mit Punktwerten zu gewichten und dann erst die Punkte zu zählen. Die Seite mit der höheren Anzahl an Punkten wäre dann die richtige Lösung.

Nach meiner Erfahrung funktioniert das so nicht. Entweder schreibe ich so lang an der Liste weiter, bis die Seite überwiegt, zu der ich unbewusst schon vorher tendiert habe, oder mir wird beim Anblick der Listen klar, dass die Lösung nicht stimmt. In beiden Fällen ist es die Intuition, mein Bauchgefühl, das sich meldet und eigentlich genau weiß, wie ich mich entschieden soll.

Neuere Forschungsergebnisse belegen tatsächlich, dass unsere Intuition ein ganz wichtiger Teil unseres Verstandes ist, der bestens geeignet ist, um schnell sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Nur unsere Intuition ermöglichst es uns, anhand einer begrenzten Menge an Informationen und unseren persönlichen Erfahrungen eine gute Problemlösung zu finden. Es geht hierbei nicht um die beste aller möglichen Lösungen, sondern um eine Lösung die gut genug ist. Und gut genug bedeutet, dass sie uns ermöglichst damit zu arbeiten, weiterzumachen und uns wohl zu fühlen.

Intuition ist etwas, das allen Menschen zueigen ist, nur der Zugang ist für manche Menschen leichter, für andere schwerer. Die gute Nachricht ist, dass wir üben können unsere Intuition einzusetzen und ihr zu vertrauen. Wenn wir der Intuition Raum geben, zeigt sich ein richtige und auch eine falsche Entscheidung an körperlichen Empfindungen. Oft ist es am Anfang einfacher, den negativen Empfindungen nachzuspüren, wenn wir etwas auf keinen Fall wollen. In diesen Fällen entwickeln sich Vermeidungsreaktionen mit Angst, Flucht- oder Angriffsverhalten begleitet von Beklemmungsgefühlen, Herzrasen, schwitzigen Händen oder aufsteigender Hitze. Auch positive Empfindungen haben körperliche Symptome, die meist nur nicht so ausgeprägt sind. Wenn wir uns mit einer Entscheidung oder auch sonst wohl fühlen, empfinden wir z.B wohlige Wäre, Gelassenheit, Befreiung von Druck oder ähnliches.

Der Zugang zu unserer Intuition läuft also über unsere Körperwahrnehmung. Mit einer guten Körperwahrnehmung kann ich die Signale meines Körpers besser interpretieren. Wenn ich die Signale meines Körpers besser verstehe, ist es viel einfacher ihnen zu vertrauen und danach zu handeln. Wem es schwer fällt Entscheidungen zu treffen, der / die sollte anfangen achtsam mit sich selbst umzugehen, auf kleine, unscheinbare Signale zu lauschen und häufig nachzuspüren, was zum eigenen Wohlbefinden beiträgt und wie sich das anfühlt.

Die individuelle Ausprägung dieser körperlichen Signale ist sehr stabil und in unterschiedlichsten Situation gleich. Ein besserer Zugang ist also nicht nur für die Entscheidungsfindung hilfreich, sondern auch für viele weiter Lebensbereiche.

Zusammengefasst bedeutet das, für eine einfache Entscheidungsfindung sind wichtig:

  • die eigenen Zielen und Wünschen erkennen
  • Fragestellungen auf den Punkt bringen und Prioritäten setzen
  • offen und unvoreingenommen an die Situation gehen
  • der Intuition, dem eigenen Bauchgefühl Raum geben