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Und jetzt noch einen Doktortitel – das wärs doch!

Ein Satz den ich schon von einigen Bekannten gehört habe, gerade auch von Leuten, die beruflich bereits viel erreicht haben. Dieser Titel wäre noch die Krönung ihrer Karriere, das Sahnehäubchen gewissermaßen. Häufig denkt man dabei vielleicht auch an die besondere Anerkennung, die ein Doktortitel im beruflichen wie im privaten Umfeld mit sich bringt. Nicht selten führt er schon fast automatisch zu einem höheren Ansehen bei NachbarInnen, GeschäftspartnerInnen, Bekannten und BehördenmitarbeiterInnen. Eine Erfahrung die ich auch selbst regelmäßig und wiederholt machen konnte.

Doktor ohne Dr. med.

Gerade für einen Arzt oder eine Ärztin hat der Doktortitel noch eine weitere Bedeutung. Im klinischen Alltag ist die Anrede eines jeden Arztes als „Herr Doktor“ gang und gäbe. Ärztinnen müssen manchen, vor allem älteren PatientInnen erst zu verstehen geben, dass sie nicht Teil des Pflegepersonals sind. Aber dann werde auch sie völlig selbstverständlich mit „Frau Doktor“ angesprochen. So normal das den meisten Beteiligten erscheint, kenn ich doch einige ÄrztInnen, denen es unangenehm ist mit einem Titel angesprochen zu werden, der ihnen gar nicht zusteht. Es erscheint ihnen fast schon anmaßend, was ich gut verstehen kann, da es mir genauso ging. Natürlich korrigiert man aber nicht die PatientInnen, schon allein, weil viele nicht mal verstehen würden, was das Problem ist.

Die Promotion als Nebenprodukt

Wer als Arzt oder Ärztin an einem Universitätskrankenhaus arbeitet kommt in den meisten Fällen kaum drum herum auch wissenschaftlich tätig zu sein. Neben der normalen Behandlung von Patienten laufen auch immer genug Studien und Forschungsarbeiten, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Und zumindest wer längerfristig in diesem Umfeld tätig sein möchte, wird sich früher oder später einer Forschungsgruppe anschließen und in diesem Rahmen die Daten für die eigenen Doktorarbeit generieren. Zwar ist die Arbeitsbelastung dadurch oft immens hoch, doch forscht und publiziert so fast jeder genug, dass eine Promotion schon beinahe nebenbei abfällt.

Die externe Promotion

Ganz anders sieht es aus, wenn man in einem städtischen bzw. kommunalen Krankenhaus oder sogar in der Industrie tätig ist. Tatsächlich wissenschaftlich gearbeitet wird in diesem Umfeld eher nicht. Die Rahmenbedingungen für eine Doktorarbeit sind nicht gegeben und selbst das Generieren von geeigneten Daten ist schwierig. In diesem Umfeld hat die Doktorarbeit rein gar nichts mit der täglichen Arbeit zu tun. Wer dennoch promovieren möchte, muss sich selbst intensiv darum bemühen, Thema, BetreuerIn und Forschungsgruppe suchen und vor allem auch eine eigenen Zeitplanung entwickeln. Alle Anstrengungen für die Doktorarbeit müssen zur regulären täglichen Arbeitsbelastung hinzugezählt werden, wobei gleichzeitig nicht unbedingt Verständnis von KollegInnen oder ChefInnen da ist.

Die Erwartungshaltung

Um entscheiden zu können, ob du promovieren solltest oder nicht, ist es wichtig, dass du dir über deine Motive klar wirst, also darüber was dich antreibt, über deine persönlichen Gründe.

Frag dich selbst:

Was erwarte ich von meiner Promotion?

Warum möchte ich promovieren?

Welche Erwartung habe ich an die Auswirkungen des Titels?

Und dann kläre für dich, ob diese Motive stark genug sind, um dich durch mehrere Jahre Arbeit und Anstrengung zu tragen, selbst wenn du unerwarteten Hindernissen begegnest oder Rückschläge erleidest.

Vielleicht stellst du aber auch fest, dass deine Bedürfnisse gar nicht nur durch eine Promotion zu befriedigen sind? Vielleicht kannst du deine zugrundeliegenden Bedürfnisse durch etwas anderes viel besser erfüllen?

Wenn du allein nicht weiterkommst, unterstütze und begleite ich dich gern bei deiner Entscheidung.

Kontaktiere mich einfach. Ein erstes Analysegespräch ist auf alle Fälle kostenlos und verpflichtet dich zu gar nichts

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Entscheidungshilfe: Was spricht für eine Promotion

Vielleicht hilft es dir bei deiner Entscheidung, wenn ich ein paar Argumente aufzähle, die mir so einfallen.

Da ist zuerst einmal das Ansehen, das viele mit dem Doktortitel verbinden. Ansehen im persönlichen Umfeld, aber vor allem auch Ansehen bei KundInnen, KlientInnen oder PatientInnen. Gerade PatientInnen gehen sowieso davon aus, dass das ärztliche Personal aus Doktoren besteht, weshalb man als Arzt oder Ärztin das Gefühl haben kann, dass ein Doktortitel einfach dazugehört, sozusagen ein „Muss“ ist.

Wer in der freien Wirtschaft tätig ist, verbindet mit dem Titel oft einfach mehr Geld. Ein Doktortitel fließt positiv in die Gehaltsverhandlungen ein, man kann ihn sich direkt bezahlen lassen. So ist zumindest die Hoffnung.

Ein Aspekt, der in jedem Fall richtig ist, wobei die Relevanz nicht unbedingt so groß ist: die Durchführung einer Studie und die gesamte Arbeit an einer Promotion bringt viele neue Erfahrungen mit sich. Erfahrungen, die an anderen Stellen nicht so leicht möglich wären, Erfahrungen, von denen sich in anderen Bereichen profitieren lässt und die gegebenenfalls den Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere erleichtern oder sogar erst ermöglichen.

Was spricht dagegen

Ein sehr gewichtiger Nachteil vor allem der berufsbegleitenden Doktorarbeit liegt auf der Hand: Eine solche Arbeit kostet Zeit, viel Zeit, die du ohne die Promotion für deine Familie, deine Hobbys oder deinen Job zur Verfügung hast.

Wer eine Doktorarbeit neben dem eigentlich Job macht, bearbeitet häufig ein Thema, das wenig bis nichts mit der eigenen Kernkompetenz zu tun hat. Das mag noch in Ordnung sein, wenn man sich trotzdem sehr für das Thema interessiert. Wenn man sich aber jedesmal überwinden muss inhaltlich einzusteigen, dann wird die Arbeit schnell zur unüberwindlichen Hürde.

Neben dem Aufwand, der gegen eine Promotion sprechen kann, erfüllen sich machmal die Ziele nicht in der erwarteten Weise. Ansehen und Anerkennung sind schön, aber vor allem im Kollegenkreis kann es genauso Neid und Missgunst geben. Man unterstellt dir, dass du etwas besseres sein möchtest. Und mögliche ArbeitgeberInnen halten dich unter Umständen für überqualifiziert, so dass sie den Job lieber an jemanden anders vergeben.

Triff deine Entscheidung und steh dazu

Natürlich sind diese Listen keinesfalls vollständig und über die Bedeutsamkeit der einzelnen Aspekte muss sich jede/r selbst klar werden. Wie so oft, gibt es bei dieser Entscheidung kein richtig oder falsch. Wichtig ist nur, dass du für dich selbst rausfindest, wie es ist und dann zu dieser Entscheidung stehst. Wenn du die gleiche Frage immer und immer wieder aufrollst, machst du nicht nur dir das Leben schwer. Auch dein Umfeld leidet darunter und wird es dir deshalb danken, wenn du eine klare Entscheidung triffst.

Und vergiss nicht: keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung, nur dass du vermeidest dein Leben aktiv zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen.

Dieser Artikel ist der erste Teil einer Serie zum Thema „Dein Weg zum Doktortitel“. Der zweite Teil „Einen „Dr. med.“bekommt man doch geschenkt – oder muss ich da doch mehr Aufwand reinstecken?“ wird in drei Wochen erscheinen.

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