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„Komm endlich“, „Beeil dich“, „Wenn du dich jetzt nicht beeilst, können wir nachher nicht Eis essen gehen“, „Soll Mama ohne dich gehen?“, so oder so ähnlich hören sich die Gespräche am nachmittag in der Garderobe der Kita zwischen Eltern und Kind immer wieder an. Oft enden diese Situationen damit, dass Mutter oder Vater ihr wütendes, tobendes Kind gegen dessen Willen mit mehr oder weniger Gewalt anziehen und aus der Kita schleifen oder tragen. Die Eltern selbst sind natürlich auch mit ihren Nerven am Ende, sind gereizt, wütend, traurig und haben eventuell ein schlechtes Gewissen. Zu spät dran sind sie dennoch, ganz davon zu schweigen, dass der Rest des Tages nur noch wenig Potenzial hat ein Erfolg zu werden.

Kinder haben ein anderes Zeitempfinden

Ja, ich kenne diese Situationen auch und ich habe mich auch schon ähnliche Dinge sagen hören. Und ich kenne auch diese Wut und Anspannung, die sich in mir ausbreitet, wenn die Kinder immer noch weiterspielen, obwohl ich ihn schon dreimal gesagt hatte, dass ich gehen möchte, wenn sie unbedingt noch dieses oder jenes erledigen müssen, obwohl ich längst der Meinung bin, dass wir fertig sind, wenn wir einfach nicht los kommen, obwohl ich eh schon meinem Zeitplan hinterher hinke, wenn ich tausend Dinge im Kopf habe, die ich noch erledigen muss, während die Kinder auf ihr aktuelles Spiel konzentriert sind.

Nur, wenn ich ganz ehrlich bin, hat die Wut am wenigsten mit den Kindern zu tun. Eigentlich bin ich wütend auf mich und ärgerlich, dass ich es nicht besser hinbekommen habe. Denn was doch normalerweise dahintersteckt, ist, dass ich nicht rechtzeitig meine Arbeit beendet habe. Oft mache ich noch schnell etwas fertig, was dann doch wieder länger dauert, oder ich schaffe es nicht meine Kollegin am Telefon zügig loszuwerden, oder ich stehe im Stau, natürlich nicht aufgrund eines unvorhersehbaren Unfalls, sondern einfach nur im regulären Feierabendverkehr.

Warum ich meine Kinder nicht mehr hetze

Ich fordere also von den Kindern etwas ein, was ich selbst nicht schaffe, nämlich zügig, ohne sich ablenken zu lassen, fertig zu werden und mit mir zu kommen. Und das, obwohl die Kinder keine Chance hatten an dem Zeitplan mitzuwirken, ihn mit ihren Zielen abzustimmen oder auch nur frühzeitig vorbereitet zu sein. Üblicherweise ist es nämlich so, dass die Kinder noch mitten im Spiel sind, wenn ich komme, und noch keinesfalls auf mich warten. Erst in dem Moment, in dem ich auftauche, können sie überhaupt anfangen sich aufs Gehen vorzubereiten. Wenn ich dann von Anfang an ungeduldig und fordernd bin, ist es sehr nachvollziehbar, dass die Kinder erst recht in Opposition gehen und meine Bemühungen hintertreiben. Und selbst, wenn sie kooperativ sind, wollen sie natürlich in ihren Bedürfnissen wahrgenommen werden, was eben auch bedeutet, dass sie erwarten, dass ich ihr Spiel wertschätze und ihnen die Zeit geben es in ihrem Tempo zu beenden.

Wir erwarten das doch schließlich auch von unserem Umfeld und reagieren mitunter sehr gereizt, wenn ein Kind oder gar ein Erwachsener jetzt sofort und unbedingt unsere Aufmerksamkeit haben möchte.

Der Blick in den Spiegel

Erst vor wenigen Tage, als ich meine Kinder zum Essen gerufen habe, hielt mir mein siebenjähriger Sohn ganz deutlich den Spiegel vor. Er antwortete knapp „komme gleich“ und wandte sich wieder seinem Spiel zu. Nach mehreren Minuten, ich schätze es waren etwa zehn, fragte ich ihn, wie lange „gleich“ denn dauern würde. Er sagte: „So lange wie bei dir, du machst ja auch immer noch was fertig, wenn du sagst, dass du gleich kommst“. Da hatte er natürlich nicht so ganz Unrecht, weshalb ich nur mit einem „OK“ antwortete und ihm noch sagte, dass das Essen auf dem Tisch steht. Etwa zwei Minuten später saß er mit gewaschenen Händen am Tisch. Es war nicht das ersten Mal, dass er mir mein Verhalten so deutlich klar machte. Gleichzeitig wusste er es dann allerdings auch sehr zu schätzen, dass ich seine Sichtweise akzeptieren konnte.

Oft merken wir gar nicht, wie oft wir unsere Kinder warten lassen, wenn wir etwas im Haushalt tun, in einem Gespräch sind oder einfach nur Nachrichten auf dem Handy checken. Es gibt so viel Dinge, die uns wichtiger erscheinen, als uns unmittelbar und sofort unserem Kind zuzuwenden. Das ist nicht per se verwerflich. Kinder können lernen einen Moment zu warten und Rücksicht zu nehmen. Natürlich lernen Sie das am besten, wenn wir ihnen das vorleben und auch gewillt sind Rücksicht zu nehmen und zu warten.

Wer mich kennt, weiß, dass es von mir sicherlich keine Erziehungstipps geben wird. Dennoch will ich gern die Tricks verraten, die mir helfen, nicht mehr auf meine Kinder warten zu müssen und vor allem nicht die Nerven zu verlieren.

1. Plane deine Zeit realistisch

Es ist nicht besonders sinnvoll, wenn ich zu spät dran bin, schneller zu fahren und dabei die Geschwindigkeitsbegrenzung zu übertreten. Genauso wenig ist es sinnvoll, selbst im letzten Moment fertig zu werden, um dann die Kinder zur Eile zu drängen. Wenn du zu einem bestimmten Zeitpunkt aus dem Haus musst oder einen Termin einhalten willst, dann plane deine eigene Zeit realistisch, so dass du selbst wirklich rechtzeitig fertig bist und plane für die Kinder genug Zeit ein. Auch wenn es manchmal schwer fällt, speziell kleine Kinder brauchen für vieles länger und deshalb ist es z.B. nicht realistisch stressfrei innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufstehen das Haus zu verlassen. Wenn du selbst zuverlässig vor den Kindern fertig bist, können sie sich an dir orientieren und du kannst gegebenenfalls noch helfen. Wenn du aber abgehetzt und eh schon verspätest von ihnen nahezu übermenschliche Anstrengungen erwartest, wirst du eher weniger Kooperation erfahren. Wenn du mit dem Auto irgendwo hinfahren möchtest, berücksichtigst du doch auch die Verkehrslage sowie die Tageszeit und nicht nur die Kilometerzahl. Du findest es doch nicht überraschend, dass du Freitag nachmittag für eine Strecke länger brauchst als Montag Nacht! Wenn du realistisch einschätzt, wie lang du brauchst, vermeidest du Stress und Hetze und du kannst entspannt den Stau abwarten.

2. Reduziere Termine und Verpflichtungen

Du meinst, es bringt dir gar nichts, deine Zeit realistisch einzuschätzen? Du hast einfach nur 15 Minuten zwischen Arbeitsende und dem Fußballtraining deines Sohnes? Und der Klavierlehrer will auch nicht auf deine Tochter warten? Und wenn du pünktlich in der Arbeit sein willst, müssen die Kinder morgens eben spuren? Ich bin sicher, du hast mit jedem Punkt völlig recht. Vielleicht lohnt es sich dann allerdings an einem anderen Punkt anzusetzen. Vielleicht solltest du einfach weniger Termine koordinieren und unterbringen müssen. Es lohnt sich einmal genau hinzuschauen, welche Termine oder Verpflichtungen du streichen kannst. Wo kannst du vielleicht etwas kürzer treten? Muss dein Sohn wirklich dreimal pro Woche zum Fußballtraining gehen? Gibt es nicht auch andere Eltern, die Fahrdienste übernehmen können? Was kannst du sonst an deinem Alltag umgestalten? Gibt es nicht auch Anfragen im Job, die du ablehnen kannst? Und nein, es wird keine Katastrophe geschehen, wenn deine 10jährige Tochter nach der Schule eine Stunde allein zuhause ist oder mal durch den Regen zur Musikschule gehen muss. Es hilft niemandem wenn du dich aufarbeitest und nur noch gestresst bist. Respektiere deine Grenzen und vertrete sie nach außen. Du bist nur eine und nicht für alles zuständig. Lass dich einfach mal überraschen, wie kreativ deine Familie wird, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, wenn du nicht mehr für alles zur Verfügung stehst.

3. Bleib bei dir und deinen Bedürfnissen

Es geht nicht um die Erwartungen anderer Leute, es geht erst recht nicht um richtig oder falsch. Es geht einzig um deine Grenzen und Bedürfnisse. Wenn es dir zu viel wird, dann ist der Zeitpunkt etwas zu ändern. Aber bleibe bei dir, übernimm die Verantwortung für deine Gefühle und Wünsche, weise nicht anderen die Schuld zu. Du weißt selbst am besten wann deine Grenzen überschritten sind, stehe dazu. Es gibt keinen Grund ein schlechtes Gewissen zu haben oder dich als Versager zu fühlen. Bedürfnisse sind nicht verhandelbar, die deiner Kinder allerdings auch nicht und sie sind auch ganz und gar nicht dafür verantwortlich, wenn du unter Stress stehst. Identifiziere die Bereiche, die dich wirklich am meisten stressen und fang an, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Werde zur Gestalterin deines Lebens. Du unterliegst viel weniger Sachzwängen als du glaubst. Auch wenn du anfangs nur Kleinigkeiten verändern kannst, wirst du bemerken, wie sich mit der Zeit vieles umstrukturiert. Oft sind es Kleinigkeiten, die eine neue Sichtweise auf die Dinge ermöglichen und schon ist ein gewaltige Ärgernis nur noch halb so groß. Wenn du gelassener und entspannter bist, kannst du auch deinen Kindern viel geduldiger begegnen und sie werden ebenfalls verständnisvoller auf dich und deine Bedürfnisse eingehen. Und ganz plötzlich können wiederkehrende Situationen, wie das abendliche Zubettgehen oder die Abholsituation in der Kita, die immer stressig waren, völlig unkompliziert werden.

Entschleunige dein Leben, um schneller zum Ziel zu gelangen.

Wenn du diese Tricks beherzigst, werden deine Kinder vielleicht nicht viel schneller werden, aber du bist auf alle Fälle weniger genervt UND du schaffst es pünktlich zu kommen zu den Dingen, die dir wirklich wichtig sind. Zudem verstehen deine Kinder viel besser, wenn es doch einmal wirklich schnell gehen muss, weil es nur die Ausnahme darstellt und nicht den Dauerzustand. Du wirst dich wundern, wie hilfsbereit und kooperativ deine Kinder dann sein können.

Also gib dir und deinen Kindern den Raum und die Zeit, die ihr benötigt.

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