+49(0)30 28450217 info@angelina-bockelbrink.de

Ich dachte ich bin unersetzlich

In der Kita meiner Kinder ist jeden Tag das gleiche zu beobachten: zur morgendlichen Öffnung der Kitatüren um 8:00 Uhr stehen gestresste Eltern davor und warten, dass die Türen aufgehen. Und kurz vor dem Ende der Betreuungszeit um 17:00 Uhr kommen gestresste Eltern angehetzt, um gerade noch rechtzeitig ihre Kinder zu holen.

Ganz überwiegend sind es die Mütter, die nachmittags die Kinder abholen, gestresst von der Arbeit noch Einkäufe erledigen, Abendessen bereiten, die Kinder versorgen und ins Bett bringen und zwischendrin noch versuchen mit den Kinder zu spielen und ihnen Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Sobald die Kinder im Bett sind, wird noch aufgeräumt, sauber gemacht, Wäsche gewaschen und alles vorbereitet für den nächsten Tag. Väter entziehen sich vielfach diesen Aufgaben, indem sie entweder noch gar nicht zuhause sind oder sich bewusst eine Entspannungsphase nach der Arbeit genehmigen und nicht zur Verfügung stehen.

Natürlich würden mir viele Leute sagen, dass nichts von alledem der Wahrheit entspricht und meine Stichprobe keinesfalls repräsentativ ist. Moderne Eltern teilen sich selbstverständlich Haushalt und Kinderbetreuung ganz gerecht und Frauen können heutzutage endlich beides, Kinder und Karriere, haben Das ist schließlich die wichtigste Errungenschaft der Emanzipation und des Feminismus‘.

Klar gibt es Väter, die mehr in die Betreuung ihrer Kinder involviert sind, es gibt Kitas, die eher aufmachen und später schließen als unsere, in den Schulen gibt es vielfach eine Spätbetreuung und für den Haushalt kann man sich Hilfe holen. Das ist alles richtig und auch gut so, den Stress nimmt es dennoch nicht unbedingt raus.

Mir geht es hier nicht um eine politische Diskussion. Noch viel weniger möchte ich bewerten, vergleichen oder gar beurteilen. Es geht mir nicht um richtig oder falsch. Ich möchte nur meinen Eindruck beschreiben. Den Eindruck, dass ganz viele Mütter an der Grenze ihrer Belastbarkeit leben, an der Grenze zum Burn-Out stehen, selbst viel zu oft und viel zu stark zurückstecken.

Gerade in den letzten Wochen habe ich von verschiedenen Frauen gehört, dass sie beinahe alles hingeworfen hätten, dass sie bis vor kurzem gar nicht gemerkt hatten, wie sehr sie sich selbst überfordert haben und wie schlecht es ihnen geht.

Eine Mutter hat es mir gegenüber erst kürzlich schön zusammengefasst: „Ich dachte ich sei unersetzlich in meinem Job. Erst jetzt merke ich wie gut es mir und den Kindern tut, dass ich wieder etwas mehr Zeit für mich habe“.

Nur darum geht es mir. Diese Frage: Ist es das wert? Wie wichtig ist es dir wirklich, jede Woche 40 Stunden oder 32 Stunden im Büro zu sitzen? Was ist nur die Erwartung anderer Menschen, die du meinst erfüllen zu müssen? Wie wirkt sich sozialer Druck oder reines Pflichtbewusstsein auf dich aus? Hast du nicht auch später noch genug Zeit, deine Karriere vorwärts zu treiben? Brauchst du das Geld jetzt wirklich so dringend?

Ich möchte dir an dieser Stelle drei gute Gründe liefern, warum du deine Arbeitszeit reduzieren solltest. Drei Gründe, die dir die Entscheidung leichter machen können, wenn du sowieso schon darüber nachdenkst. Und mit „Arbeitszeit reduzieren“ meine ich nicht, dass du in weniger Zeit die gleiche Menge an Arbeit leisten sollst, sondern dass du tatsächlich auch das Arbeitspensum reduzierst.

1. Grund: Kinder werden schnell groß

Gerade kleine Kinder wachsen und entwickeln sich rasend schnell. Manchmal scheinen sie von einem Tag auf den anderen nicht mehr in ihre Kleidung zu passen. Ein andermal verdoppeln sie ihren Wortschatz über Nacht oder lernen plötzlich Krabbeln, Laufen oder Fahrradfahren. Für ein kleines Kind ist jeder Tag aufregend und voller neuer Erfahrungen. Es gibt jeden Tag etwas zu erzählen, zu zeigen, zu teilen.

Nach wenigen Jahren fängt es bereits an, dass die Kinder unabhängiger werden, sich nicht mehr nur an der Familie orientieren, sondern immer mehr an Freunden und Kumpels. Jetzt wollen sie immer weniger Zeit mit den Eltern verbringen, wenig reden und möglichst nichts von sich erzählen. Wenn wir jetzt gemeinsame Zeit nachholen wollten, die wir in den früheren Jahren verpasst haben, würde das meist schwierig werden und kaum zum Ziel führen.

Wenn wir also Zeit mit unseren Kindern verbringen wollen, dann sollten wir die Gelegenheit nutzen, wenn Sie da ist und nicht auf eine bessere warten, die nicht kommen wird. Natürlich wissen wir alle, dass die Kinder nur größer und nie wieder kleiner werden, aber in welcher Geschwindigkeit sie größer werden, ist dann oft doch eine Überraschung. Und eigentlich wollen wir doch nicht erst bei unseren Enkeln bewusst und aktiv an der Kleinkindzeit teilhaben.

2. Grund: Deine Gesundheit ist deine wichtigste Ressource

Idealerweise hast du einen Job, der dir Spaß macht und du genießt außerdem die Zeit mit deiner Familie. Aber auch dein Tag hat nur 24 Stunden und irgendwas kommt zu kurz, wenn du 7 oder 8 Stunden in der Arbeit verbringst, dann die Kinder holst, noch aktive Zeit mit ihnen verbringst, dich um Essen und Haushalt kümmerst und zumindest halbwegs rechtzeitig ins Bett gehst.

Wenn wir ehrlich sind, dann sind wir es meist selbst, die zu kurz kommen. Meist bleibt einfach keine Zeit mehr, um ein Buch zu lesen, Sport zu machen, Freunde zu treffen, eine Film zu sehen oder einfach zum Friseur zu gehen. Oder diese Aktivitäten werden nur wieder zu einem weiteren Stressfaktor auf der To-Do-Liste. Wenn du kreativ sein willst und leistungsfähig, dann musst du dir Möglichkeiten geben, Kraft zu tanken und Körper und Geist zu regenerieren.

Vergiss nicht, ein gesunder, vitaler Geist hält auch den Körper gesund und anders herum. Es hat nichts mit Luxus zu tun, wenn man sich um sein eigenes Wohlergehen kümmert oder seinen eigenen Körper pflegt und verwöhnt. Es ist vielmehr eine Notwendigkeit um sich selbst auch langfristig gesund und belastbar zu halten. Und das musst du sein, wenn du noch viele Jahre als Mutter, Partnerin, Hausfrau, Unternehmerin, Mitarbeiterin oder Chefin etwas leisten möchtest.

Also, tu dir selbst etwas Gutes. Du wirst schnell merken, welche positiven Auswirkungen das auf dein ganzes Leben hat.

3. Grund: Mama gut – alles gut

Als Mutter hast du nicht nur Verantwortung für dich und deine Gesundheit sondern in besonderem Maße auch für deine Kinder und deine Familie. Wenn Mama gestresst ist und wenig Zeit hat, sind auch die Kinder eher gestresst und weniger bereit zu kooperieren. Wenn jeder Morgen eine große Hetze ist, wird es oft viel anstrengender, es gibt mehr Streit und die Laune ist schon verdorben, bevor der Tag richtig begonnen hat.

Wenn Mama hingegen manchmal Zeit hat etwas länger zuzuhören, doch nochmal kurz zu kuscheln oder einen Schmetterling am Weg zu beobachten, dann beginnt der Tag oft schon entspannter. Und wenn Mama dann auch selbst meistens ausgeglichen und gelassen ist, dann können viele Stresssituationen schnell entschärft und manche Streits vermieden werden, manch ein Wutanfall wird vermutlich gar nicht erst entstehen.

Manchmal erscheint uns das Familienleben anstrengend, ohne dass wir erkennen können, wie wir selbst etwas dran verändern können. Erst aus einer entspannteren Haltung, aus ein wenig Abstand, wird plötzlich klar, wie sehr die Kinder unseren eigenen Stress widerspiegeln. Als Mutter solltest du dir deshalb immer wieder bewusst machen, dass du selbst einen riesigen Einfluss auf das gesamt Familienleben hast, vermutlich mit Abstand den größten.

Sorge gut für die selbst, so sorgst du fast schon automatisch besser für alle anderen.

Versteh mich nicht falsch, ich bin keinesfalls der Meinung, dass Hausfrauen die besseren Mütter sind (auch nicht die schlechteren); für mich wäre das auch nie eine Option gewesen.

Ich möchte dir nur ein paar Gründe geben, warum es sich sowohl für dich als auch für deine Familie lohnt, wenn du mehr Zeit hast, mehr Zeit für dich selbst und mehr Zeit für deine Familie.

Die Zeit, die du dafür nicht im Büro verbracht hast, wird dir später nicht abgehen, sie wird dir später nicht leid tun. Oder, um es mit einem schönen Zitat zu sagen, das gern Henry Ford zugeschrieben wird: „Es hat noch niemand auf dem Sterbebett gesagt, dass er mehr Zeit im Büro hätte verbringen sollen“.