+49(0)30 28450217 info@angelina-bockelbrink.de

Mein erster Artikel nach vielen Wochen Urlaub und Orientierungsphase ist eine Beitrag zur Blogparade „Mama ausgebrannt“ von Magna mater.

Wenn mich Isabel von Magna Mater nicht nochmals persönlich angesprochen hätte, wäre dieser Beitrag wohl nie entstanden.

Burnout und Erschöpfung, natürlich sind das Themen, die ich enorm wichtig finde und mit denen ich mich in meinen Coachings beschäftige, aber etwas drüber schreiben?

Mich hinstellen und laut sagen, dass ein Burnout vermeidbar ist? Dass bei allen Herausforderungen und Belastungen die Erschöpfung keinesfalls zwingende Folge ist?

Nein, das wollte ich nicht!

Zu klar waren mir noch Gespräche mit einer Bekannten im Gedächtnis, die nach ihrem dritten Burnout weiterhin jede Form von Verantwortung und Veränderbarkeit ablehnten, da sie diese mit Schuldzuweisung gleichsetzte.
Sie beschimpfte absolut jeden, der ihr auch nur ansatzweise nahelegte, dass sie selbst etwas verändern könnte.
Ein Gespräch war mit ihr kaum möglich, sie sah die Schuld für ihre Burnouts ausschließlich im Außen. Da waren bestimmte Erlebnisse und Ereignisse, die zwingend dazu führen mussten.

Es geht gar nicht um Schuld

Dabei geht es mir überhaupt nicht um Schuld. Ganz im Gegenteil, das Konzept von Schuld finde ich grundsätzlich unsinnig. Ich gehe sogar soweit, zu sagen, dass es nie zielführend ist, nach einem Schuldigen zu suchen.

Ich möchte hierzu eine kleine Geschichte erzählen:

Stell dir vor, du gehst im Winter in der Stadt spazieren, plötzlich trifft dich vom Dach eines Hauses eine Schneelawine. Dein Kopf und deine Schulter tun weh, deine Kleidung und deine Tasche sind völlig eingesaut, dein Spaziergang und dein ganzer Tag sind dir verdorben.

Meiner Bekannten wäre vermutlich schnell völlig klar, dass der Hauseigentümer, der das Dach nicht ordentlich geräumt hat, schuld ist an deinem Unglück. Du solltest dir vom Arzt eine schwere Schulterprellung und eine posttraumatische Belastungsstörung bescheinigen lassen und dann den Hauseigentümer auf ein horrendes Schmerzensgeld verklagen.

Vielleicht bist du aber auch anders drauf. Du ziehst dich sofort zurück, es ist dir peinlich, dass ausgerechnet dir so etwas passiert. Alle anderen können doch auch unbeschadet durch die Stadt spazieren, nur du kannst einfach nicht richtig hinschauen und auf dich aufpassen. Du verkriechst dich zuhause, erzählst niemandem was passiert ist und machst dir kräftig selbst Vorwürfe.

Oder du findest einen ganz anderen Umgang: nach dem du den ersten Schreck überwunden hast überlegst du dir, was eigentlich genau passiert ist. Du bemerkst erst jetzt, dass von allen Dächern das Tauwasser tropft und überall kleinere und größere Schneebretter über die Dachkanten hängen. Es wird dir bewusst, wie sehr du vorher in Gedanken gewesen sein musst, dass du das gar nicht gemerkt hast.

Die Frage einer Passantin nach deinem Befinden, nimmst du zum Anlass in dich hinein zu lauschen und festzustellen, dass wohl nichts schlimmeres passiert ist. Ein Ruhetag wird deinem Kopf ganz gut tun und auch deine Schulter hat wohl kaum mehr als einen leichte Prellung abbekommen.
Deinen Mantel und deine Tasche kann man wahrscheinlich reinigen, und selbst wenn das nicht klappen sollte, ist es eine gute Gelegenheit eine neue Tasche zu kaufen, so toll ist die alte nämlich sowieso nicht.
Bei deinem nächsten Spaziergang bist du viel aufmerksamer, was unter anderem dazu führt, dass du den neuen Feinkostladen entdeckst, der die leckersten Pralinen der ganzen Stadt herstellt.

Zeit umzudenken

Natürlich ist ein Erschöpfungssyndrom oder ein Burnout nicht das gleiche wie eine Dachlawine. Die Ursachen sind weitaus vielschichtiger, die Konsequenzen schwerwiegender und die Folgen langwieriger als in meinem Beispiel.

Vielleicht bist du dennoch gewillt meiner kleinen Geschichte zu folgen. In den ersten beiden Szenarien geht es um Schuldzuweisung, Schuld im Außen bzw. Schuld bei sich selbst.

Vor dem Schreiben dieses Artikels hatte ich vor allem Sorgen in Gedanken an meine Bekannte, die die Schuld ausschließlich im Außen sucht und findet. Wie sich auch in einigen der Beiträge zur dieser Blogparade gut zeigen lässt, neigen speziell Mütter viel eher dazu die Schuld bei sich zu suchen und natürlich dann auch zu finden.

Die Werbung, unsere Gesellschaft und teilweise auch unser persönliches Umfeld suggerieren uns, dass es die reine Freude ist, Kinder zu bekommen und Kinder groß zu ziehen. Die ideale Mutter ist jung und attraktiv, immer glücklich und geduldig, sie ist erfolgreich im Job, eine hervorragende Köchin und geht nebenbei noch ein paar erfüllenden Hobbies nach.

Jede von uns, die an dieses Ideal nicht heranreicht macht irgendetwas falsch oder bemüht sich nur nicht genug. Genau hier gilt es innezuhalten und umzudenken, nicht erst im Burnout oder der Erschöpfungsdepression, sondern lange vorher. Du bist schlichtweg nicht schuld, dass du den übersteigerten Ansprüchen diese Ideals nicht gerecht werden kannst (absolut niemand kann das!), du bist aber verantwortlich für dein Leben.

Getraue dich selbst das Steuer in die Hand zu nehmen und Verantwortung zu übernehmen, Verantwortung nicht nur für deine Handlungen, sondern auch für deine Gefühle und Bedürfnisse. Nimm wahr, was gerade ist und erkenne deine eigenen Empfindungen als die Wahrheit an. Nimm dich und deine Bedürfnisse ernst!

Es ist wie es ist

Mach dir dabei immer klar, dass du die beste Mutter für deine Kinder bist und die beste Mutter, die du sein kannst. Du bist genau richtig, so wie du bist, völlig unabhängig davon, ob du gerade müde, überfordert, erschöpft, wütend, traurig oder verzweifelt bist. Jedes Gefühl ist berechtigt und nicht besser oder schlechter als ein anderes.

Unangenehme Gefühle sind wichtige Hinweise auf Bedürfnisse, die nicht erfüllt werden, wobei es sich keinesfalls nur um rein physiologische Bedürfnisse z.B. nach Essen, Trinken und Schlaf handeln muss (obwohl gerade Schlaf für viele Mütter ein wichtiges Thema ist), sondern auch um Aspekte wie Anerkennung, Wertschätzung, Ruhe usw.

Wenn Bedürfnisse längerfristig unerfüllt bleiben, führt das zu körperlichen und psychischen Krankheitszeichen, wie z.B. Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit, Angst, Traurigkeit, usw.

Deine unangenehmen Gefühle sind ganz wichtige Signale an dich selbst, du solltest sie hoch achten. Sie beschützen dich und zeigen dir an, dass du dich besser um dich kümmern sollst. Deine unangenehmen Gefühle und deine Erschöpfung sollten also kein Grund für Schuldgefühle oder Vorwürfe sein, sondern nur Anlass, dich selbst und deine Bedürfnisse in den Vordergrund zustellen.

Wenn du gut für dich sorgst, ist das nicht nur eine Investition in dich, den Wohlbefinden und deine Gesundheit, sondern auch in das Wohlbefinden, die Gesundheit und das Glück deiner Kinder.

Ein Klima der Wertschätzung und Unterstützung

Und noch einen ganz wichtigen Ansatz möchte ich an dieser Stelle postulieren. Jede von uns, egal ob sie ein Kind hat oder fünf, berufstätig ist oder Hausfrau, alleinerziehend oder mit Partner, wirklich jede Mutter kann einen Beitrag leisten, das übersteigerte Ideal Schritt für Schritt abzubauen und zu entkräften.

Wenn wir uns alle bemühen die Bedürfnisse und Probleme andere Mütter wertfrei anzuerkennen, schaffen wir ein Klima, in dem sich keine Mutter mehr allein gelassen fühlen muss. Keine Mutter müsste mehr das Gefühl bekommen, dass sie die einzige ist, die es nicht hinbekommt und der alles über den Kopf wächst.

Wenn jede von uns die Bedürfnisse und Nöte der anderen genauso wertfrei annimmt, wie ihre eigenen, erwächst eine Offenheit und ein Umfeld der Unterstützung. Es wird viel einfacher über die eigenen Schwierigkeiten zu sprechen und sich in einem Netz der Wertschätzung auffangen zu lassen.

Fazit

Auch wenn es uns vielfach suggeriert wird, gibt es die perfekte, immer-glückliche Mutter nicht. Unangenehme Gefühle, sowie Erschöpfungssymptome kennt jede. Du solltest sie immer nur als Zeichen für unerfüllte Bedürfnisse sehen, nie als Grund für Schuldzuweisungen oder Schuldgefühle. Setze dich manchmal an die erste Stelle! Erschöpfung und Burnout sind keinesfalls eine zwingende Folge von Belastung und Herausforderung.

PS:

Ein anonymer Artikel, den ich erst gelesen hatte als meiner bereits fertig war, hat mich sehr berührt. Aus ihrer eigenen Erfahrung beschreibt E. hier viele Erfahrungen, die ich nur angerissen habe, sehr persönlich und emotional.

PPS:

Wenn du auch erschöpft bist, nicht weiter weißt und dich unterstützen lassen möchtest, ist mein Entschleunigungscoaching vielleicht genau das richtige für dich. Ich freue mich über deine Kontaktaufnahme für ein unverbindliches und kostenloses 30-minütiges Erstgespräch. Natürlich kannst du mich auch einfach anrufen unter 0179 6718060.