+49(0)30 28450217 info@angelina-bockelbrink.de

Heute gibt es eine weitere Neuerung auf meinem Blog. Heute gibt es den ersten Teil meiner Serie „aus der Praxis“. Hier berichte ich über Erlebnisse und Erfahrungen die ich als Ärztin, Dozentin, Wissenschaftlerin oder Coach gemacht habe. Es geht in dieser Serie um Wissen bzw. mangelndes Wissen, um den Umgang mit Klient_innen, Patient_innen oder ganz allgemein mit Menschen, um Wertschätzung und um meine Arbeitsrealität. Und natürlich geht es mir darum, aus meinen Erfahrungen allgemeine Erkenntnisse abzuleiten, von denen möglichst auch du profitieren kannst.

Mein Hintergrund

Als Ärztin und Epidemiologin habe ich einen akademischen Hintergrund und war in meiner Tätigkeit im Krankenhaus und an der Universität immer von anderen Akademikern und Wissenschaftlern umgeben. Jeder fertige Arzt hat mindestens sechs Jahre studiert und ebenso lang an seiner Facharztanerkennung gearbeitet. Im Studium wird eine riesige Menge theoretisches Wissen angesammelt und anschließend gewinnen der junge Arzt und die junge Ärztin praktische Erfahrungen im Umgang mit allen medizinischen Geräten und Instrumenten. Schon im Studium haben alle Studierenden der Humanmedizin regelmäßigen Kontakt mit verschiedensten Patientengruppen.

Was im Medizinstudium fehlt

Was es allerdings weder im Studium noch in der klinischen Ausbildung gibt, ist eine fundierte Schulung in Gesprächsführung, Empathie (sofern diese überhaupt erlernbar ist) oder patientengerechter Sprache. Allzu oft habe ich es in der Klinik erlebt, dass das ärztliche Personal völlig an den Patient_innen vorbei geredet hat. Auch nach einem langen Gespräch hatten weder Patient_in noch Angehörige wirklich verstanden was nun die Prognose war oder warum welche Therapie angesetzt werden würde. Oft gab es nicht den Rahmen, in dem die Patient_innen sich getraut hätten nachzufragen. Und auch viele Aufklärungsgespräche vor Operationen oder Eingriffen führten eher nicht zu einem Verständnis, so dass ernsthaft von einem „informierten Patienten“ ausgegangen werden konnte. Die Unterschrift unter dem Aufklärungsbogen ist unter diesen Umständen nicht wirklich viel wert. Es verwundert überhaupt nicht, dass Patient_innen nach einem Krankenhausaufenthalt nicht berichten können, was gemacht worden ist und die Compliance (Therapietreue) bei ambulanten (Medikamenten-)behandlungen meist eher nur mäßig ist.

Das „Warum“ von Mediziner_innen

Die erfahreneren Ärzt_innen sich nicht unbedingt gute Vorbilder für die jungen Mediziner_innen. Zu unterschiedlich sind vermutlich die Beweggründe, warum jemand Arzt oder Ärztin geworden ist. Manchen geht es vielleicht nur ums Prestige oder ums Geld, wobei ich den Eindruck habe, dass es sich dabei höchstens um eine Minderheit handeln kann. Häufiger passiert es vermutlich, dass das fachliche und wissenschaftliche Interesse den einzelnen Menschen und sein Empfinden in den Hintergrund geraten lassen. Symptome und Befunde, vor allem wenn sie außergewöhnlich sind, bereiten einfach viel mehr Freude als der ganzen Mensch mit seinen Ecken und Kanten. Erschwerend kommt dann natürlich noch hinzu, dass der gesamte Krankenhausbetrieb für das medizinische Personal einfach nur Routine ist und vielen deshalb die Vorstellungskraft fehlt, sich auszumalen, wie es wohl einem Patienten gehen könnte, der sich dem ganzen zum ersten Mal ausgesetzt sieht.

Ärzt_innen sind verschieden

Natürlich sind auch mir Gegenbeispiele begegnet. Im niedergelassenen Bereich, bei den Komplementärmediziner_innen, sogar in der Klinik gibt es einzelnen Ärztinnen und Ärzte, die einen ganzheitlichen Blick auf die Medizin und die Menschen haben, die nicht unterscheiden zwischen Patient und Mensch, die Zeit haben zuzuhören und eine Sprache sprechen, die auch von Laien verstanden werden kann. Es gibt Mediziner, die an die Fähigkeiten und Kapazitäten ihrer Patient_innen glauben und die auf die Selbstheilungskräfte des Menschen vertrauen. Leider stellen sie nur eine verschwindend geringe Minderheit dar. Viel zu übermächtig ist die allgegenwärtige Technik und der Allmachtsglaube vieler Götter in weiß.

Patient_innen ebenfalls

Wen wundert es dann noch, dass viele Patient_innen mit dem Anspruch kommen, geheilt zu werden, ohne selbst etwas dafür tun zu müssen. Spätestens wenn sie etwas Erfahrung gesammelt haben, wissen sie ja, dass ihre Mitarbeit weder erforderlich noch erwünscht ist. Auch wenn auf der anderen Seite gerade ganzheitliche Mediziner_innen, Heilpraktiker_innen und auch Heiler_innen großen Zuspruch erfahren, hat sich dadurch am traditionellen System nicht viel verändert. Vielleicht hätte ich versuchen müssen das System von innen heraus zu verändern, tatsächlich hatte ich aber nicht das Gefühl, dass ich die Kraft dafür hätte aufwenden können oder wollen. Ich fühlte mich nicht berufen dieses System zu verändern, so dass ich mich zuerst aus der Patientenbetreuung zurückgezogen habe und später aus dem gesamten Krankenhaus- und Universitätsbetrieb.

Ärztin? – Ja, aber….

Ich habe für mich festgestellt, dass ich lieber Menschen unterstütze, die sich gern unterstützen lassen, Menschen, die ihren Weg gehen, die sich anstrengen und bemühen, nur manchmal einfach eine helfende Hand, eine Richtungsvorgabe oder etwas Zuspruch brauchen können. Ich arbeite gern an und mit den Stärken und Ressourcen der Menschen. Ich mache Gutes gern besser, Helles strahlender und Schönes noch prächtiger. Was sich so banal anhört, dient natürlich nicht nur mir, sondern vor allem auch den Menschen, mit denen ich arbeite. Und es ist absolut keine Selbstverständlichkeit, ganz im Gegenteil. In der Medizin, aber z.B. auch in der Pädagogik wird der Fokus ganz überwiegend auf das Kranke und Schwache gelegt. Meist wird nach Risiken, Störungen und Schwierigkeiten gefahndet, um diese abzustellen oder abzuschwächen. So viel Energie und Kraft wird in die Abwehr möglicher Gefahren gesteckt, dass die Stärkung der Ressourcen, Fähigkeiten und Talente auf der Strecke bleibt. Salutogenese und positive Psychologie, das waren schnell die Bereiche, die mich faszinierten. Als ich dann zum ersten Mal mit den Ideen des systemischen Coachings in Berührung kam, war das fast wie eine Erleuchtung für mich. Genau das war es, was ich mir schon lang vorgestellt hatte, in meinem Umfeld nur nicht finden konnte.

Coaches gibt es viele

Im Coachingmarkt ist natürlich auch nicht alles Gold was glänzt. Coaches gibt es wie Sand am Meer, oder zumindest fast so viele. Viele Coaches haben edle und mächtige Beweggründe für ihre Tätigkeit, die oft sogar ihre Berufung ist. Sie können nicht nur mit Lebenserfahrung und Einfühlungsvermögen dienen, sondern auch mit dem festen Wunsch etwas Gutes zu tun. Woran es zumindest bei einem Teil der Coaches mangelt, ist eine solide grundständige Ausbildung. Die Begriffe „Coach“ oder „Coaching“ sind in Deutschland nicht geschützt. Jeder darf sich Coach nennen, entsprechend gibt es Ordnungscoaches, Finanzcoaches, Gesundheitscoaches, Laufcoaches… Natürlich muss niemand eine Psychologiestudium absolvieren, um ein guter Coach zu werden. Auch Friseurinnen, Bäcker, Polizistinnen oder Banker können Fähigkeiten mitbringen, die sie zu einem ganz hervorragenden Coach machen. Nur das Wollen reicht hierfür allerdings nicht, die Aneignung von bestimmten Grundlagen gehört da ebenfalls dazu.

Potenziellen Klient_innen

Aus Sicht der potenziellen Klient_innen ist es etwas schwierig zu erkennen, welcher Coach qualifiziert und passend ist. Die Zertifikate und Bescheinigungen sind zu vielfältig und zu unbekannt, so das ein Coach meist durch sein kompetentes und authentisches Auftreten überzeugen müssen wird. Manchen Menschen ist ein solches Auftreten wohl in die Wiege gelegt, alle anderen benötigen eine gewisse Grundlage dafür. Den meisten Menschen fällt es viel leichter kompetent und überzeugend aufzutreten, wenn sie selbst in ihre Fähigkeiten und ihr Wissen vertrauen können. Insbesondere Klient_innen, die schwerwiegende persönliche Themen mitbringen, werden darauf achten, ob sie dem Coach zutrauen den Rahmen zu halten und mit seelisch-emotionalen Problemen umzugehen. Jeder Coach, der etwas in die Tiefe gehen möchte, sollte also völlig unabhängig von seiner Lebenserfahrung, gewisse Grundkenntnisse bezüglich psychischer und körperlicher Zusammenhänge mitbringen.

Fazit

Eine fundierte fachliche Ausbildung allein macht noch keinen guten Coach, sie ist neben dem grundsätzlich positiven Menschenbild allerdings eine ganz wichtige Grundlage. Ein solides medizinisches und psychopathologisches Grundlagenwissen gehört für alle Coaches, die nicht nur an der Oberfläche kratzen wollen, sicherlich dazu.

Meine Berufung

Am liebsten habe ich schon immer mit Menschen gearbeitet, die selbst schon viel geschafft haben, die wissen was sei wollen und auch das Vertrauen in ihre Fähigkeiten mitbringen. Menschen, die hohe Ansprüche an ihre Dozentin, Mentorin oder Coach stellen. Menschen, die nicht auf halbem Weg aufstecken oder ihr Ziel aus den Augen verlieren. Ich arbeite mit Menschen, die selbst die Verantwortung für ihr Leben übernehmen und diese auch nicht abgeben wollen, wenn es ihnen mal schlecht geht.

Meine Klient_innen sind meist sehr stark mehrfach belastet, sie sind erschöpft und wissen (für den Moment) nicht weiter. Gleichzeitig wollen sie sich nicht in psychotherapeutischen Behandlung begeben, sondern ihre Schwierigkeiten lieber selbst lösen. Diesen Personen helfe ich, ihre Bedürfnisse wieder klar zu erkennen und zu benennen. Sie bekommen von mir Impulse, wie das Leben auch ohne Diagnose und Krankschreibung sinnerfüllt weitergehen kann.

Eine weiter geliebte Gruppe sind hochqualifizierte Coaches, die Sicherheit im Umgang mit schwierigen und stark beeinträchtigten Klient_innen bekommen wollen. Oder die sich professionalisieren und einfach verstehen möchten, was hinter dem schlauen Gerede von Ärzten und Psychotherapeuten steckt. Durch meine langjährige Tätigkeit als Ärztin und Wissenschaftlerin an der Uni kann ich Unterstützung anbieten, egal ob es um konkrete Fragen zu einem Fall, um eine Fachpublikation oder um die Erstellung von (Seminar-)unterlagen geht.

Wenn du dich angesprochen fühlst, kontaktiere mich doch einfach für ein Kennenlerngespräch oder melde dich für meine Newsletter an, dann verpasst du keine Neuigkeiten und Inspirationen mehr.